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Im deutschen Reich · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. 234

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Magdeburg
Date
1903-03-01
Page
234 (sequence 2)
Language
German
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234 Im Deutschen Reich. CenLralvereins geführt haben. Er schilderte, daß der Verein ein Abwehrverein sei, der nicht Sonderrechte für die deutschen Juden erringen, sondern das Toleranzgesetz zur Wahrheit machen wolle. Er führte aus, wie der Kampf dem Centralverein aufgedrungen sei durch die antisemitische Bewegung, welche die Massen und die Behörden terrorisiere, die Juden in ihren Rechtsgütern bedrohe und die Begriffe von gut und böse umwerte. Der Verein sei weder parteipolitisch, noch parreireligiös, er stehe fest auf dem deutsch-nationalen Boden, wolle die Juden bestärken und kräftigen in der Treue zur Glaubensgemeinschaft und zum Vaterlande. Die Juden brauchten sich nicht erst zu „assimilieren" oder ohne Vorbehalt im Deutschtum aufzugehen, „Assimilieren" und „Aufgehen" sei nur der saubere Ausdruck für die Taufe. „Ausdauern solle man", wie Goethe sagt, „da, wo einen mehr das Geschick als die Wahl hinsteüt." Diese Ethik sei ethischer, als die Ethik moderner Professoren der Ethik. Treue zu üben, die Kinder zur Treue anzuhalten und die innere Ehre zu bewahren, sei mehr wert, als nach den äußeren Ehren des Staates zu streben. Treue mache starke wenn die Juden treu sein würden, würden sie stark sein. Stürmischer Beifall zeigte dem Redner, daß seine Ausführungen die Herzen getroffen. An der Besprechung beteiligten sich noch die Herren Löwe, Rechtsanwalt Bacher, Leo Schäfer. Die Versammlung, die einen sehr würdigen Verlauf hatte, führte dem Verein wohl an siebzig neue Mitglieder zu." Die hiesigen Antisemiten lehnen es ab, eine nationalliberale Reichsrandidatur zu unterstützen. „Da aber eine eigne Kandidatur" — so schreibt in der „Sachsenschau" Karl Faßhauer „zuviel Geld kosten würde, um auch nur einen Achtungserfolg zu erzielen, so ist es logisch, strikte Wahlenthaltung zu üben." —- In Magdeburg siegte im Jahre 1898 der Sozialdemokrat im ersten Wahlgang mit 20125 Stimmen. Es wurden damals 3691 antisemitische, 10 683 nationalliberale Stimmen abgegeben, 4191 für die freisinnige Volkspartei, 549 für das Zentrum. V* Landsberg a. d. W., 1. März. Der geschäftliche Leiter des Vorschußvereins, Hellmut Kutzer jun. in Friedeberg, welcher seit dem Einzuge Ahlwardts in den Wahlkreis Arnswalde-Friedeberg zu den rührigsten Agitatoren der Antisemiten gehörte, ist von der hiesigen Strafkammer wegen Untreue, Depotunterschlagung und Bilanzverschleierung zu 41/.3 Jahren Gefängnis und 5000 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. S Breslau, 1. März. Unter der Ueberschrift „Der jüdische Kanonier" berichtete die Breslauer Morgenzeitung": „Am 18. Juli

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