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Im deutschen Reich · 1903-02-01 · Heft 2 (Februar 1903) · p. 194

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 2 (Februar 1903)
Article
C. C., Chemnitz
Date
1903-02-01
Page
194 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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194 Im deutschen Reich. „Tiroler Wastl" sagt den Antisemiten in hnmoristischer Dorfbarbier- Form manche Wahrheit. Ueber einen herben judenseindlichen Ausspruch des österreichischen fortschrittlichen (!) Abg. Erler schrieb der wackere „Wastl" in der anheimelnden tiroler Mundart am 8. Februar: „Den parlamentarischen Ausspruch därfen's. net so tragisch nehmen, gnädiger Herr, denn erstens ist der Erler seinerzeit quasi der Häuptling der deutsch-fortschrittlichen Partei von Sprugg g'wes'nund zweitens sein unter den 42 Ueberparlamentariern, denen der Ausspruch gegolten hat, nur 4 Juden g'wes'n und alles andere Baröner, Grafen und Fürsten. Der Ausspruch ist überhaupt net ernst zu nehmen, sondern nur als a Beweis zu betrachten, daß unser Abgeordneter sich auskennt in Abrahams Wurstkessel und woaß, daß der Antisemitismus gegenwärtig in der Politik der begehrteste Börsenartikel ist. Danach muaß sich an Abgeordneter halten, denn er hat quasi die Pflickt, in dem Artikel zu spekulieren, nach dem jeweilig die größte Nachfrage ist. Wenn er iatzt, getreu seinem Programm, in Freisinn spekulieren tat, der gegenwärtig tief unter Para steaht, na'r war dös grade aso an unpraktischer Stumpfsinn, wia wenn oaner auf der Fruchtbörse sei Geld aufm Woazen wagt, wenn koa Mensch danach fragt, sondern alles in Korn macht. Sie brauchen sich daher über den zitierten Zwischenruf einstweilen net im Mindesten aufzuregen, denn wenn auf der politischen Börse wieder amol der Woazen Trumps ist, na'r werden unsere Abgeordneten schon wissen, auf was sie sich zu werfen haben. Die Politik ist eben a Geschäft wia jedes andere, eher schlechter als besser, und darum muaß man, so lang 's G'schäft geaht, an Aug zuadrucken und den gewonnenen Vorteil net lang beriechen sondern einstecken Wear's anders macht, dear bringt's zu nix, und wear nix ist, Dear hat nix, und wer nix hat, ist a Lump, und — Pst — halten's still, sonst geaht's ins Fleisch und aus ist's mit Ihrer Schönheit und feil war g'fahlt, denn wenn Sie das, was i g'sagt Han, net einsehen, na'r sein Sie eh' schon gnua zu derbarmen."

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