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Im deutschen Reich · 1903-02-01 · Heft 2 (Februar 1903) · p. 192

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 2 (Februar 1903)
Article
L. S., Berlin
Date
1903-02-01
Page
192 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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192 Im deutschen Reich. L. S., Berlin. Der antisemitischen „Deutschen Hochwacht" wurde aus Kreuzburg in Oberschlesien berichtet: „Der Töpfermeister M. in Kreuzburg wird von den lieben Mitbürgern jüdischen Glaubens verfolgst weil er sich erlaubt hat, an einer Versammlung des Deutschen Volksbundes teilzunehmen. Nicht nur die Kunden jüdischen Glaubens gehen von ihm ab, sondern auch der Königl. Kreisbauinspektor Bloch hat ihm die Arbeit an den siskalischen Bauten entzogen, weil M. es gewagt hat, seine deutsche (?) Gesinnung nicht zu verhehlend Die „deutsche" Gesinnung werden die jüdischen Bürger Kreuzburgs dem antisemitischen Töpfer M. nicht verargen, sondern nur als Verdienst anrechnen, daß er aber einem Bunde angehört, der ihnen ihr Deutschtum abspricht, gibt ihnen hinreichenden Grund, ihn zu meiden. Schon Gabriel Rießer hat gesagt, daß der deutsche Jude sich gegen den, der ihm den Anspruch auf sein Vaterland bestreitet, wie gegen einen Mörder wehren müsse. Mit dem echten christlichen Deutschen wird jeder Jude gern gesellschaftlich und geschäftlich verkehren , nicht aber, mit jenen Leuten, deren Gesinnung eine unmenschliche — und heidnische ist. — Die Teilnahme an dem gegen einen jungen jüdischen Kaufmann während einer Eisenbahnsahrt.verübten Unfug soll, wenn wir recht unterrichtet sind, für einen Buchhändler in Canftatt noch eine fühlbarere Folge gehabt haben, als die gerichtliche Verurteilung zu einer mäßigen Geldstrafe — den Verlust seiner zahlreichen jüdischen Kundschaft. Die Antisemiten kaufen trotz aller Schimpfereien doch in jüdischen Geschäften, wenn diese billigere Preise stellen, als andere Kaufleute; der echte Jude wird den, der seine Ehre antastet, stets meiden, auch wenn ihm der Verkehr Vorteil brächte. S. sJu, Spandau. Der in der „Deutschen Hochwacht" vom 22. Januar enthaltene „Spandauer Brief," in welchem die dortigen Ausverkäufe besprochen werden, ist nach Ihrer Angabe ein nettes antisemitisches Machwerk. Es heißt dort: „In der ganzen Flucht (der Breitenstraße) kaum ein Judengeschäft ohne den sogenannten Ausverkauf. Denn alle die genannten Ausverkäufer find Juden! Das ist so, und kein Freisinniger und Roter kann es bestreiten, auch kein Königlicher Eisenbahnbeawter. Daß ich — beinahe hätte ich's vergessen — den David in der Neuendorfer Straße erwähne! Der Mann beklebt die ganze Front des Hauses mit jenen roten Zetteln: „Konkurs-Ausverkauf." Was ein richtiger, talentvoller Hebräer ist, der hat das ganze Jahr Ausverkauf, darunter mindestens zweimal „Konkurs-Ausverkauf" ohne Konkurs fein

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