Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- D. O., Berlin
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 191 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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191 Briefkasten der Redaktion. D. O., Berlin. Unter einer aufreizenden Uebersckrist brachte die „Deutsche Hochwacht" eine Notiz, in der behauptet wurde, der Gastwirt Albert Lemke, der seinem Leben durch Erhängen ein Ende machte, sei bei dem Verkauf seines Schankgeschäfts von einem gewissen -Petras beschwindelt worden, in große Sorgen geraten und habe sich deshalb entleibt. Der Verblichene habe einen Brief an seine Tochter hinterlassen, in dem die Worte ständen: „Der Jude Petras hat mich in den Tod getrieben." — Nun giebt es keinen Juden dieses Namens in Berlin, auch hat kein Jude den Verkauf jenes Geschäfts vermittelt. Entweder hat der Verblichene sich über die Konfession seines Drängers absichtlich oder unabsichtlich geirrt, oder ein eifriger Reporter hat durch diese Bezeichnung seine Notiz der „Deutschen Hochwacht" annehmbar machen wollen. A. R., Berlin. Die „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" haben auf die gleiche Anfrage folgendes geantwortet: „Ob die Nachricht des Wiener „Deutsch. Volksbl.", daß der dortige Abwehrverein sich aufgelöst habe, richtig ist, wissen wir nicht." Z. M., Berlin. Was die „Staatsbürger-Ztg." vom verjudeten Alpenball einem anderen antisemitischen Redakteur nacherzählt, erinnert sehr an senile Leistungen eines Feuilletonisten, der seine gute Zeit längst hinter sich hat. Daß er „an den Verkehr mit gebildeten Juden durch den gesellschaftlichen Verkehr in Berlin gewöhnt ist", merkt man ihm kaum an; er muß wohl in seinen alten Tagen mehr mit trinkfesten Antisemiten verkehren, da er jeden Juden doppelt sieht und jetzt wie diese „Teutschen" ein recht schlechtes Deutsch schreibt. Daß die „Staatsbürger-Ztg." seinen Bericht verwertet, ist bezeichnend; hoffentlich gelingt es ihr nicht, auch den an reine Alpenluft gewöhnten „Deutsch-Oesterreichischen.Alpenverein" zu vergiften.