Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- Leipzig
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 178 (sequence 2)
- Language
- German
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178 Im deutschen Reich. Kartelltragens zu zwei bezw. einmouatlicher Festungshaft verurteilt wurden. In einem Vortrags-Eyklus, den der Verein für innere Mission hier veranstaltet, sprach in der vergangenen Woche ein Redner über das Thema: „Heimatlos". Unter anderem nannte der Redner, ein geistlicher Herr, auch die Geldjuden heimatlos. — Aus solchen gemütvollen Bemerkungen sollten die reichen Juden die Lehre ziehen, sich weniger für Kollekten für Kirchenbauten, desto mehr aber für den Centralverein zu interessieren und sich im Herzen ihrer ärmeren Glaubensgenossen ein unbestrittenes Heimatsrecht zu sickern. Der 20jährige Optiker Grabich in Leipzig, welcher nach Verübung eines Lustmordes an dem achtjährigen jüdischen Mädchen Klein den Leichnam desselben zerstückelte und in eine Kiste packte, ist zur definitiven Feststellung seines Geisteszustandes der Landesirrenanstalt Sonnenstein übergeben worden. Dazu bemerkt die „Allg. Ztg. des Judentums": „Wenn der Mann ein Jude und das Mädchen eine Christin gewesen wäre — was hatten da wohl die braven Leipziger Blätter für einen Lärm geschlagen!" 02 Eisenach, 13. Februar. Die traurigen Folgen der s. Zt. fast ungehindert erfolgten massenhaften Verbreitung antisemitischer Schriften, in welchen das Märchen aufgetischt wurde, daß die jüdischen Metzger das für Nichtjuden bestimmte Fleisch besudelten, machen sich noch immer fühlbar. Der „Eisenacher Zeitung" wird aus Ostheim a. d. Rh. berichtet: „Das Tagesgespräch hier und in der Umgegend bildet wieder ein Fall — seit kurzem der zweite, wenn auch im ersten ein Beweis nicht bat erbracht werden können — wonach ein jüdischer Metzger aus Neustadt a. S. beim Schächten junger Ziegen im benachbarten Orte Stockholm das Fleisch der geschlachteten Tiere besudelt haben soll. Die Frau, in deren Auftrag das Schlachten erfolgt ist, soll den Tater bei der unsauberen Handlung betroffen und sofort Anzeige gegen denselben erstattet haben." — 23k, verlautet, hat die Frau nachträglich erklärt, sie habe die Tat gar nicht gesehen, sondern infolge der Verwirrung des Metzgers — vermutet! co E. L. Rom, 1. Februar. Am 25. v. Mts. starb hier Carlo Levi, einer der ersten italienischen Journalisten, welche 1870 in Rom einzogen. Der Dahingeschiedene hat zu der Zeitschrift „Im deutschen Reich" mehrere wertvolle Beiträge geliefert (6. Jahrgang Heft 10 und 11, 8. Jahrgang Heft 1), in welchen die Stellung der Juden im heutigen Italien mit großer Sachkenntnis besprochen wurde.