Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-02-01 · Heft 2 (Februar 1903) · p. 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 2 (Februar 1903)
Article
Kassel
Date
1903-02-01
Page
174 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316704--10715-2331105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

174 Im deutschen Reich. daß die „Humanität" in der Zeit und im Geiste Schillers am 21. November 1802 in Kassel gegründet wurde. Hundert Jahre hindurch war die Gesellschaft eifrig bestrebt, durch Wohltun, durch Erziehung, Förderung und Unterstützung von Talenten der bürgerlichen Gesellschaft tüchtige und brauchbare Menschen zuzuführen. Eine lange Reihe von Handwerkern, Technikern, Lehrern, Gelehrten und Künstlern wurden während der Zeit ansgebildet oder erheblich gefördert. Zur Zeit der Gründung regierte Landgraf Wilhelm IX.; der erste Direktor der Gesellschaft war der Arzt und Philosoph Lucius Liffmaun. Weiter teilte Redner mit, daß ein Wohltäter, der nicht genannt sein will, der Gesellschaft 6000 Mk. zur Hundertjahrfeier geschenkt hat mit der Bestimmung, daß mit den Zinsen arme, invalide Handwerker aus der Provinz Hessen-Nassau unterstützt werden sollen. Das Vermögen der Gesellschaft beträgt gegenwärtig 47 200 Mk., die Mitgliederzahl 327. Nach dem Vortrage eines Männerquartetts ergriff Landrabbiner Dt. Prager das Wort zu einer eindrucksvollen Festrede. Er sprach von der Humanität im biblischen Sinne und schloß mit einem ergreifenden Gebet. Sodann hielt der Oberpräsident Gras Zedlitz-Trütschler eine Ansprache, in der er u. a. sagte: „Es war mir in besonderem Maße erfreulich, daß man die Ideale pflegt auf dem Boden des Gotteswortes, untergöttlicher Auffassung des Menschenberufes. Auch das auszusprechen als Mensch ist mir in diesem Kreise und bei dieser Feier Bedürfnis, und so möge denn die Gesellschaft „Humanität" weiter blühen und gedeihen/' An die ernste Feier schloß sich in den Räumen des Eentralhotels ein begangenes frohes Fest. co Hamburg, 1. Februar. Das Organ der Hamburg-Altonaer Autisemiten, das „Deutsche Blatt", sieht sich zu nachstehender Richtigstellung veranlaßt: „Zu den Angaben über den Geraer Aerztestreik, welche der „Staatsb.-Ztg." von einem dortigen Fachmann gemacht worden waren, schreibt uns ein hiesiger Arzt: Sehr geehrte Schriftleitung! In Ihrer Nummer vom 21. Januar steht eine Notiz über den Aerckestreik in Gera, die tendenziös entstellt ist. Ich bitte Sie darum, die Angelegenheit zu berichtigen. Tatsache ist, daß der Aerztesteeik in Gera durch lieb ergriffe der Kasse gegen die Aerzte entstanden ist. Die Aerzte haben sich in den Verhandlungen mit der Kasse beinahe zu großer Rücksichtnahme befleißigt, konnten aber dem dolosen Vorgehen der Kasse gegenüber nicht anders handeln. Daß unter dem dortigen Aerzteverein auch einige Juden sind, ändert an der Sachlage gar nichts, da wir einen großen Prozentsatz Israeliten unter unseren Standesgenossen haben. Hochachtend usw."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.