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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 115

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
P. R., Darmstadt
Date
1903-01-01
Page
115 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten Der Redaktion. 115 geschrieben und von Antisemiten zum Ausgangspunkt von Verhetzungen gemacht werden, hat uns veranlaßt, in einem prägnanten Falle Aufklärung zu verbreiten. Das von einem Pfarrer in Eßlingen redigierte „Stuttgarter Evangelische Sonntagsblatt" brachte am 7. September v. I. folgende Notiz aus Hessen: „Wie peinlich berührt es zu hören, daß verstorbenen Israeliten bis in unsere Tage hinein Steine in den Sarg gelegt werden mit den Worten: „Grüß mir Abraham, grüß mir Isaak, grüß mir Jakob; wenn Du aber den Zimmermannssohn siehst, wirf ihm diese Steine an den Kopf!" — Wir wandten uns zunächst an Herrn Kirchenrat Rabbiner Bi. Kroner- Stuttgart, der die vollständige Unrichtigkeit und Unhaltbarkeit der Notiz des „Evang. Sonntagsblattes" festsiellte, und die Redaktion desselben zu einer entsprechenden Berichtigung veranlaßte. Das kirchlich-religiöse Blatt knüpfte aber an diese Berichtigung die Bemerkung, das Mitgeben von Steinen, möge, wenn auch kein von einer Liturgie vorgeschriebener, doch ein durch Ueberlieferung bis in unsere Tage erhaltener Volksbrauch bei den Israeliten sein. Da außerdem verlautete, daß hochgestellte Persönlichkeiten aus Elsaß und Hessen der Redaktion die Versicherung gegeben hätten, dort werde die von ihr geschilderte Sitte tatsächlich von Juden ausgeübt, haben wir auch in Hessen und im Elsaß eingehende Nachforschungen angestellt, die genau dasselbe Resultat hatten, wie das uns von Herrn Kirchenrat Dr. Kroner übermittelte, nämlich, daß auch in Hessen und im Elsaß der ganze Ritus des israelitischen Beerdigungswesens, wie überhaupt die ganze Liturgie des israelitischen Kultus auch nicht eine Stelle enthält, in der auch nur mit einem Worte des Stifters der christlichen Religion gedacht wird, und daß es überhaupt keine Bestattungsliturgie und auch in keiner Gegend Deutschlands einen Volksbrauch bei den Israeliten giebt, welcher Grüße an Verstorbene enthält. Herr Großh. Rabbiner Br. Selver in Darmstadt verwies besonders darauf, daß in jüdischen Kreisen der Ausdruck „Zimmermannssohn" für den Stifter der christlichen Religion nie üblich gewesen, vielmehr nahezu unbekannt sei. Herr Provinzial-Rabbiner vr. Munk in Marburg bemerkt, daß in manchen Gemeinden Hessens Scherben auf die Augen der Verstorbenen gelegt würden, welche statt der sonst zu diesem Zweck genommenen Erde die Rückkehr zur mütterlichen Erde manifestieren soll. Herr Rabbiner Br. Marx in Westhofen i. Elsaß bestreitet wie feine vorgenannten Amtskollegen, daß Steine in die Särge gelegt werden, und versichert, daß nur in einzelnen Fällen Erde aus Palästina mitgegeben werde. O. 8., München. Mehr und mehr fühlen sich Ihre Lands-

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