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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 114

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
L. D., Dresden
Date
1903-01-01
Page
114 (sequence 2)
Language
German
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114 Im deutschen Reich. daß sie mit ihm das Volk zum Dreschflegelkampf führen wollen, ist freilich drollig! A. I., Leipzig. Der Artikel der „Leipziger Neuesten Nachrichten" vom 31. Dezember ist unverkennbar eine Prachtleistung des „8pir1ru8 reetor" dieses Blattes, Herrn Dr. Paul Liman. Was derselbe in dem Artikel „Der wahre Charakter des Sozialdemokraten" über das angebliche „Bündnis der Sozialdemokratie mit dem Judentum" behauptet, ist natürlich ebenso unbegründet wie die aus dem geistigen Arsenal der antisemitischen Partei entnommene Behauptung, daß „das Judentum die Trägerin zersetzender Tendenzen fei." Das glaubenstreue Judentum war dies nie und ist dies auch jetzt nicht, wohl aber wirken oft solche Elemente destruktiv, die sich nicht aus Gründen der Ueberzeugung von dem Judentum losgesagt und einem anderen religiösen Bekenntnis zugewandt haben, damit aber weder Fisch noch Fleisch sind. Dieses neuzeitliche „Marannentum" ist dem Christentum ebenso wie dem Judentum um so schädlicher, als dieses Zwitterwesen sich durch Generationen sortpflanzt. Die Wiederholung der Behauptung der „Post", daß die Partei der „Freisinnigen Vereinigung" für jüdische Vertreter ausgiebig sorge und dadurch der Reichstag zu einer Judenschule herabgewürdigt werde, ist ebenso unverzeihlich wie die der antisemitischen Erfindung von dem Bündnis des „Judentums mit der Sozialdemokratie". Herr vr. Paul Liman muß genau wissen, daß kein einziger jüdischer Reichstagsabgeordneter zur „Freisinnigen Partei" gehört, also auch keiner in derselben Skandal gemacht haben kann, daß ferner nicht das Judentum sich der Sozialdemokratie angeschlossen hat, sondern nur einzelne Juden dies getan haben, daß übrigens die „königstreuen" Agrarier wiederholt gedacht haben, dies zu tun, wenn ihre Interessen verletzt würden. Judenfeindliche Parteien zu unterstützen, kann man übrigens den Juden nicht zumuten; sie müßten „die größten Esel sein", wenn sie dies täten! Da der „Raffeantisemit" Herr vr. Paul Liman wie im „Li- und Lo-Prozeß" in Dresden gerichtsnotorisch wurde, jüdischer Abkunft ist, der Chefredakteur des Leipziger Blattes, Herr Richard Büble, doppelt mit Juden verwandt ist, können in Leipzig, wo diese Tatsache bekannt sein muß, doch wohl die antisemitischen Leistungen der „Leipziger Neuesten Nachrichten" selbst in antisemitischen Kreisen kaum einen tieferen Eindruck erzielen. P. R., Darmstadt. Die Wahrnehmung, daß einzelne unter der christlichen Bevölkerung verbreitete Vorstellungen über jüdische Begräbnisgebräuche als tatsächlich vorhanden den Juden zu-

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