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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 112

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
O. L., Breslau
Date
1903-01-01
Page
112 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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112 Im deutschen Reich. Pächter kleiner Landslächen eine nützliche Tätigkeit entwickelt hätten. Es muß schlecht ausfehen mit der bäuerlichen Bewirtschaftung im Zarenreiche, wenn man bereits daran denkt, Leute zu Ackerbauern zu erziehen, die — nach dem jüngsten Reskripte des Herrn von Witte — als Agenten im Landschacher eine so verderbliche Tätigkeit entwickelt haben, daß man eine gesetzliche Einschränkung dieser „ökonomischen Berufsausübung" für nötig hält." — Die Schlußbemerkuna hätte die „Tägliche Rundschau" sich schenken können' H. M., Stettin. Der mit D zeichnende „Londoner Korrespondent der Kreuz-Ztg.", der gleichzeitig für die „Staatsbürger-Ztg." arbeitet, schildert die augenblicklichen Verhältnisse in England unverkennbar in weniger durch Sachkenntnis als durch Parieifatanismus getrübter Weise, welche beinahe zu der Vermutung berechtigt, daß Herr D. weder in London lebt noch mit dortigen einflußreichen Kreisen Fühlung hat. Thaftächlich sind die Versuche, durch die „Liga der britischen Brüder" unter dem Deckmantel der Bekämpfung der Fremdeneinwanderung. den Antisemitismus emzuschmuggeln, in England gründlich fehlgeschlagen. Infolge des Massenaustritts zahlreicher Mitglieder verzichtete der Begründer der Liga, William Shaw, auf deren fernere Leitung; und als Major Evans Gordon seinen Austritt mit der Bemerkung erklärte, durch feine Reife nach Rußland von seinem Vorurteil gegen ausländische Juden geheilt zu sein, wurde die Auflösung der Liga sofort beschlossen. Die Hoffnung des Herrn D., daß die Untersuchung der Königl. Kommission in Sachen der Fremdeneinwanderung dazu führen werde, die Engländer von der Notwendigkeit einer Ausnahmegesetzgebung zu überzeugen, wird sich nicht erfüllen. Er gründet sie auf Berichte über angebliche Aeußerungen Rothschilds, von denen niemand etwas weiß, und auf Kriminalitätsziffern der Juden im Ostend Londons, die bei genauer Vergleichung der Anzahl der Delikte mit der großen Zahl der massenhaft dort wohnhaften armen Juden für diese ungemein günstig sind. Die von D. in seinen Bericht eingeflochtene Geschichte beweist sehr wenig. Wenn ein Engländer, der erst jedes Vorurteil gegen Juden in Abrede stellt, auf den Einwurf, ob er seine Tochter einem Juden zur Frau geben würde, eine solche Zumutung wirklich als Beleidigung bezeichnet haben sollte, wäre dies kein Wunder, da ein strengprotestantischer Engländer dieselbe Antwort geben würde, wenn man ihn fragte, ob er seine Tochter einem Katholiken zur Frau geben wolle. Die in England lebenden Juden sind völlig zufrieden, daß man ihnen alle Gleichberechtigung gewährt hat; selbst streng religiös hegen sie die größte Achtung

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