Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- R. G., Berlin
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316703--10601-2330950- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hanau 1× ep/1047937
OCR text
110 Im deutschen Reich. daß unser Christentum noch ein mangelhaftes ist." — Wie wahr ist das! P. L., Berlin. Selbstverständlich war es keine ^Weihnachtsfeier". die in Hanau in Anwesenheit des Landgrafen Alexander von Hessen stattgesunden hat, sondern die Feier des Makkabäerfestes, die im Glanze des Lichtfestes stattzusinden pflegt. Daß die Antisemiten diesen fürstlichen Besuch als eine ,,Verirrung" zu bezeichnen wagen, wird den Landgrafen wenig stören, höchstens ihm als eine Mahnung wie „Landgraf, werde hart!" entgegentönen, wenn ihm wieder Antisemiten schweifwedelnd nahen. In London erschien Lord Roberts in Uniform in der Synagoge, in welcher 500 jüdische Soldaten dem Chanuckafeste beiwohnten. Der jüdische Lordmayor war im Staatsgewande und in der Staatsrutsche erschienen. S. R., Berlin. Wenn die Juden doch endlich das Lesen der Antisemitenblätter denjenigen ihrer Glaubensgenossen überlassen wollten, die sich berufsmäßig mit dieser nicht gerade erquicklichen Lektüre befassen müssen! Wenn die Juden das Blatt in Konditoreien und Restaurants verlangen, müssen es auch die Besitzer halten, die keineswegs Antisemiten sind und an diesem Lesestoff keinen Gefallen finden. Ihre Ausführungen widersprechen übrigens der Behauptung des AntisemiteNblattes, daß in der heutigen Zeit „nur die Juden und die Sozialdemokraten zufrieden und vergnügt seien". Ueber die Stimmung unter den Sozialdemokraten sind wir nicht unterrichtet, aber die Beobachtung, daß unter den Juden besondere Zufriedenheit und Heiterkeit vorhanden fei, dürste kaum jemand gemacht haben. Sollen wir etwa darüber jubeln, daß wir um Rechte noch kämpfen müssen, die uns durch Verfassung und Gesetz längst zugesichert sind? G. R., Berlin. Die „Kreuz-Ztg." ereifert sich darüber, daß der sozialdemokratische Abgeordnete Bernstein (wie sie hinzufügt: natürlich ein Jude!) in einer Versammlung im Breslauer Gewerkschafthause seine Agitationsrede mit den Worten des großen Reformators geschloffen habe: Rehmen sie uns den Leib. Gut, Ehr' Kind und Weib, Laß fahren dahin, Sie haben's kein Gewinn, Das Reich muß uns doch bleiben! Das fromme Blatt weiß anscheinend nicht, oder will nicht wissen, daß Luthers Kernlied einem Psalm des jüdischen Königs David nachgedichtet ist!