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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 109

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
G. C., Berlin
Date
1903-01-01
Page
109 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 109 der Rückgang des deutschen Sinnes und der deutschen Sitte aufgehalten werden könnte, wäre es um den deutschen Sinn und deutsche Sitte recht böse bestellt. Daß auch die „Berliner Neuesten Nachrichten" sich auf diese geschäftsantisemitische Weise empfehlen lassen, ist immerhin bemerkenswert. Die Unterschriften des Aufrufs bestätigen übrigens die von Herrn Schirp von BoLLlenberg am 12. d. Mts. in der Versammlung der Konservativen vor dem Potsdamer Tor betonte Talsache, ,,daß die konservative, christlichsoziale und deutsch-soziale Reformpartei eine- Familie bilden". Sie ist danach! R.G., Berlin. Vielen antisemitischen Parteigenossen der „Staatsb.- Ztg." paßt es nicht, daß dieselbe mit jüdischen Inserenten fraternisiert, die charakterlos genug sind, ein Blatt finanziell zu unterstützen, welches die Juden und das Judentum fast täglich beschimpft. Das Antisemitenblatt schreibt zwar: „Wir tun nur unsere deutsche Wicht, wenn wir ans das ,,Christliche Konfektionshaus von Oskar Wallburg verweisen", räumt aber den Weihnachts-Anzeigen von Baer Sohn und Isidor Heitinger die besten Plätze ein, trotzdem dies nach ihrer Ausdrucksweise ,,Jüdische" Konfektionshäuser sind, salviert sich freilich gleichzeitig durch die Klage, „daß im Geschäftsleöen die Angst vor den Juden leider immer mehr zunimmt." In der Handelsstätte zwischen der Friedrichstraße und Lindenstraße scheint die Angst vor der jüdischen Jnseratenbezahlung nur so mäßig zu walten, daß mancher antisemitische Leser des Blattes hinter jedem, für den dasselbe Reklame macht, einen Juden wittert. Deshalb sieht es sich genöthigt, im Briefkasten den ,,alten Deutschen im Ratskeller" auf wiederholte Anfragen mitzuteilen, ,,daß Herr Benno Weymann, der Inhaber der ,Räuberhöhle^, Kronenstr. 21, kein Jude ist." An anderer Stelle ereifert sich die ,,Staatsbürger-Zeitung" darüber, daß ein armer Jude, der gewiß nicht im Staude war, bei ihr zu inserieren, auf dem Wedding Weihnachtsbäume zu verkaufen gewagt hat, daß in S chrimm die Weihnachtöbescheerung für die Stadtarmen in dem Lokale eines Juden veranstaltet worden sei u. s. w. Treffend hat sich das Blatt in einem Festartikel' selbst die Wahrheit gesagt, indem es wörtlich bemerkte: ,,Jst die Botschaft ,,Friede aus Erden bisher noch nicht zu voller Wahrheit geworden, so liegt das lediglich daran, daß wir trotz unseres Christentums das uns in der heiligen Weihenacht beschiedene Heil noch nicht völlig in uns ausgenommen, daß wir uns des Geschenkes höchster göttlicher Liebe nicht würdig gezeigt, mit einem Worte

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