Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Darmstadt
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 100 (sequence 2)
- Language
- German
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100 Im deutschen Reich. das Disziplinarverfahren eingeleitet worden, vr. Mahr kam mit einer „Verwarnung" davon. 02 Wien, 2. Januar. Im verflossenen Monat waren in Oesterreich wieder mehrere Delikte bekannter Antisemiten zu verzeichnen: Bei der „Zalozne" in Königgrätz wurde ein Manko von 120 000 Kronen entdeckt, wodurch zumeist Lleine Leute ihre mühsam erworbenen Sparpfennige verliefen: in Wiener Neustadt ist der Sekretär Laurenz Fellner wegen Veruntreuung von Armengeldern zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt worden, und in Steyr wurde der Katechet der Schule in Michelsdorf, Pater Bindenberger, wegen Sitrlichkeitsverbrechen dem Gerichte eingeliefert. + Warschau, 1. Januar. Vor dem Pietrikauer Bezirksgericht fand in den letzten Dezembertagen die Verhandlung gegen 75 Personell statt, welche sich am 20. September 1902 an dem blutigen Krawall in dem polnischen Wallfahrtsorte Czenstochau beteiligt hatten. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Niemorokomow; den als Nebenkläger zugelassenen geschädigten Juden stand Rechtsanwalt Ettinger zur Seite. Heber den Sachverhalt berichtete die Anklageschrift: „Am Vormittag deZ genannten Tages geriet die Obsthändlenn Theophila Krukowa mit dem südischen Obsthändler David Oderberg wegen eines Maßes Birnen im Werte von 2 Rubeln in Streit. Die drei Brüder Friedman mengten sich ein, worauf die Krukowa unter wütendem Geschimpfe einem der Juden einen Stoß gab. Als die drei Brüder mit einer Tracht Prügel antworteten, ries die Frau ihren Mann zu Hilfe. Polizei kam hinzu, und diese schickte nach einem Arzt, da die Krukowa es für angebracht hielt, sich als schwer verletzt zu gebärden. Der Arzt konstatierte jedoch, daß die Schläge leichter Art waren und der Frau nichts fehlte, woraus sie per Droschke nach Hause geschickt wunde. Der Mann der Krukowa versteckte seine Frau, postierte sich mit seinen drei „verwaisten" Kindern vor der Thür der „Kirche zum heiligen Sigismund" und erzählte den daselbst wuiaMmelten Gläubigen, daß die Juden seine Frau ermordet hätten. Der darob erbitterte Pöbel begann, durch die ans den Fabriken zum Mittagessen strömenden Arbeitermassen verstärkt, die jüdischen Läden am alten Markte zu demolieren und in den -jüdischen Häusern die Fenster Anzuwerfen." Es kam dann zu Mißhandlungen vieler Juden, sowie der um die Wiederherstellung der Ordnung bemühten Polizeiorgane und schließlich zu scharfem Widerstand und heftigen Steinwürfen gegen das einschreitende Militär. Als der Pöbel den Versuch machte, den Soldaten die geladenen und schußbereit