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Im deutschen Reich · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. 10

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Schlusse des ersten Jahrzehnts
Date
1903-01-01
Page
10 (sequence 10)
Language
German
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10 Im deutschen cheich. zeugt dies von einem Idealismus, wie ihn nur die harmonische Verbindung von echtdeutscher und gutjüdischer Gesinnung erzeugen kann. Das aber ist das Zeichen, unter dem wir kämpfen müssen und siegen werden! Um in klaren Worten bekannt zu geben, was der Central-Verein will und wie er es will, ist vor einiger Zeit sein Programm in gedrängter Kürze veröffentlicht worden. Dasselbe ist in den nachstehenden „Leitsätzen für deutsche Juden" enthalten, welche uns Anerkennung und Freunde gebracht haben: 1. Die Grundbedingung für Staat und Gesellschaft bildet das Recht. 2. Die Bekämpfung und Unterdrückung einer vom Staate anerkannten Religionsgeseltschaft und ihrer Anhänger, auch wenn sie die Minderheit im Staate bilden, widerspricht dem Rechtsbewußtsein jedes gesitteten Volkes. 3. Die Ueöung der jüdischen Religion und ihre Sittenlehre widerspricht in keinem Punkte den sittlichen Grundsätzen des modernen Staates; Geheimlehren kennt das Judentum nicht; also ist es Rechtens, die Juden den Vekennern der christlichen Religion in staatsbürgerlicher und gesellschaftlicher Beziehung gleichzustellen. 4. Der Antisemitismus verletzt das Grundgbot der Nächstenliebe, das der christlichen und der jüdischen Religion gemeinsam ist. 5. Der Antisemitismus urteilt und handelt durch Haß geblendet; er geht vom Recht zur Rechtlosigkeit und führt zum Anarchismus. 6. Wer den Antisemitismus fördert, macht sich zum Mitschuldigen seines frevelhaften Treibeus, wer ihn bekämpft, tritt für Ehre und Wohl seines Vaterlandes ein. 7. Den Glauben seiner Väter hochzuhalten, ist Ehrensache; das gilt in gleicher Weise für Juden wie für Christen. 8. So wenig die Gesamtheit der Christen verantwortlich ist für Verstoße einzelner gegen Staats- und Sittengesetz, so wenig können die Juden die Ausschreitungen einzelner Israeliten hindern oder verantworten. Jeder Jude weiß, daß ein eingewurzeltes Vorurteil für seine Fehler die Gesamtheit seiner Glaubensgenossen zur Rechenschaft zieht, nnd daß es ihm deshalb mehr als jedem anderen Volksgenossen obliegt, Selbstzucht zu üben. 9. Rur die Zusammenfassung aller im deutschen Volke vorhandenen sittlichen und geistigen Kräfte hat Deutschland zur Einheit und Größe geführt. Diese Güter zu wahren, ist Pflicht jedes Patrioten.

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