Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Max Grunwald [Rezension]
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 725 (sequence 2)
- Language
- German
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VorurLheile in der Beurtheilung des Judenthums und der Juden scheint es auch kein wirksameres Mittel zu geben, als die Spezialisierung der Verteidigung, d. h. die wissenschaftliche Prüfung und Widerlegung möglichst aller der Behauptungen, mit denen die Minderwerthigkeit unserer Religion oder unserer sittlichen und körperlichen Eigenschaften erwiesen werden soll. Der Anfang dazu ist mit einer Reihe dankenswerther Schriften gemacht, die zum Theil vom Central- Verein angeregt oder unterstützt worden sind. Arbeiten wie „Die Criminalität der Juden in Deutschland", „Die Juden als Soldaten", „Deutsche Parlamentarier jüdischen Glaubens" (in der Zeitschrift des Central-Vereins zuerst erschienen) zeigen ungefähr den Weg und die Methode, die für diese Aufgabe anzuwenden wären. Die kürzlich erschienene, oben genannte Schrift von Grunwald scheint mir ein erwünschter und werthvoller Beitrag zn einer solchen wissenschaftlichen Apologie der Juden. — Der Verfasser beginnt mit Len Seefahrten, die zur Zeit des biblischen Alterthums die Könige Salomon und Josaphat, von Elath und Eziongeber aus unternahmen, erzählt dann vvn der Gewinnung von Seehäfen durch die Makkabäerfürsten, deren Grabdenkmäler und Münzen auch mit den Emblemen der Schifffahrt geziert waren, von dem hervorragenden Antheil der Juden an dem Exporthandel Alexandrias und der neuerdings ausgestellten Vermuthung, daß der bisher dem griechischen Geschichtsschreiber Arrian zugeschrrebene „Periplus“, die Schilderung einer Seefahrt über das Rothe Meer und an den Küsten Vorderasiens aus dem ersten christlichen Jahrhundert, vielmehr von einem jüdischen Kaufmann aus Alexandria verfaßt sei. Es ist bekannt, daß die alcrandrirüschen Juden dieser Zeit eine eifrige und vielseitige literarische ThatigkeiL entfaltet und Schriften verfaßt haben, die bis vor wenigen Jahrzehnten für Werke griechischer Autoren galten. Vers, bringt weiter eine Fülle interessanter und für Viele gewiß neuer Thatsachen über die Bethciligung der Juden an Schifffahrt und Seereisen während des Mittelalters, über ihre Mitwirkung an den großen Entdeckungen der Spanier und Portugiesen im 15. und 16. Jahrhundert, zu denen sie sowohl durch persönliche Theilnahme wie durch Herstellung geographischer Karten und nautischer Instrumente viel beigetragen haben (vergl. dazu M. Kayserling, Christoph Columbus und der Antheil der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen. Berlin 1897. Verlag von Siegst. Cronbach), über jüdische Rheder in Hamburg und Altona, über die Berufung jüdischer Rheder nach Emden durch Friedrich dem Großen. Die Schrift enthält, wie Derf. mit Recht sagt, „neue Belege für die Thatsache, daß der Jude, wo