Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 722

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
S. T. Stettin
Date
1902-12-01
Page
722 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316689-2316700--10426-2330710
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

722 Zm deutschen Reich. Gegend, die sonst gern von Londoner Arbeitern bewohnt war, derdrängt würde. In der ganzen Grafschaft Londons betrage die Bevölkerungs-Dichtigkeit 57 Personen per Acre, in Spitalfields dagegen 333 Personen per Acre und zwei englische Meilen weit gebe es keinen offenen Platz. Er kenne eine Familie, die ein Schlafzimmer und eine Küche bewohne, und Abends um 10 Uhr, wenn sie sich in das Schlafzimmer zurückziehe, komme ein Herr mit seidenem Cylinderhut und langem schwarzem Gehrock und mache sein Bett in der Küche auf dem Fußboden zurecht. Er habe auch gesehen, das in einem Zimmer vier Männer und sechs Frauen schlafen. Das seien alles ausländische Juden, die respektabel seien und hart arbeiten. Viele Familien mieteten überhaupt nur für die Nacht ein Zimmer zu einem Miethspreise von einem Schilling (== einer Mark) pro Nacht, und wenn sie am Abende den Schilling nicht hätten, seien sie für die Nacht obdachlos. Es sei festgestellt worden, daß in 10 Häusern mit zusammen 51 Zimmern 254 Personen wohnten. Auch vermehre sich die Zahl der jüdischen Arbeitgeber; englische Arbeiter, die. von ihnen angestellt seien, müßten am Sonnabend feiern und am Sonntag arbeiten. Ost-London gerathe allmählich ganz und gar in jüdischen Besitz, und ein Resultat der fortwährenden Einwanderung sei das fortgesetzte Steigern der Miethen und Herabsetzen der Löhne. Die ausländischen Juden hätten viele gute Eigenschaften. Er habe in den 13 Jahren, die er rm Ostende von London lebe, nie einen betrunkenen Juden gesehen. Sie seien sehr auf Bildung und gutes Fortkommen bedacht und seien gute Familienväter. Zuletzt schlug der Zeuge vor, man solle nur solche Einwanderer zulassen, die mindestens 10 Pfund Sterling besäßen und geistig und körperlich tauglich feien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.