Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- X. Norden
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 719 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten Der Redaktion. 719 lokalen Theile des dortigen Kreisblattes bekannt gegeben worden. Da nun später der Tenor des Urtheils am 11. November durch den „Ostfriesischen Courier" veröffentlicht wurde, zweifelten viele Kunden des Verurteilten W. Wolfs daran, daß er von Sr. Majestät begnadigt worden sei. Um diesem Zwe.fel zu begegnen, erließ er jenes Inserat. Aus der eigentümlichen Kritik, welche das AntisemitenblaLt an kaiserlichen Gnadenakten übt, wird hoffentlich an maßgebender Stelle nur „die entsprechende Lehre" gezogen werden, was auf die Loyalitäts- Versicherung der Antisemiten zu geben ist, die sich als Stützen von Thron und Altar ausgeben, gleichzeitig aber durch spitzige Redensarten über „Engländerei", Verleihungen des Schwarzen Adlerordens, Auszeichnungen nichtdeutscher Künstler, kaiserliche Begnadigungen usw. in einer Weise äußern, die über ihre mühsam verhüllte anarchistische Gesinnung kaum einen Zweifel zuläßt. G. L., Konstanz. Die „Salzschlirfer Badezeitung" druckte auf Wunsch eines ihrer Abonnenten das von dem 1860 gestorbenen Domherrn und Bisthumsverweser von Konstanz, Ignaz Freiherr von Wessenberg, vor fast hundert Jahren verfaßte Gedicht „Mein Glaube" ab: Ich glaube, daß die schöne Welt regiere Ein hoher, weiser, nie begriffner Geist, Ich glaube, daß Anbetung ihm gebühre. Doch weiß ich nicht, wie man ihn würdig preist. Nicht glaub' ich, das; der Dogmen blinder Glaube Dem Höchsten würdige Verehrung sei: Er bildet uns ja, das Geschöpf im Staube, Vom Jrrthum nicht, und nicht von Fehlern frei. Drum glaub' ich nicht, daß vor dem Gott der Welten Des Talmud und des Alkoran Bekenner weniger denn Christen gelten; Verschieden zwar, doch alle beten an. Ich glaube nicht, wenn wir von Irrwahn hören. Der Christenglaube mache nur allein Uns selig; wenn die Finsterlinge lehren: .Verbannt mutz jeder Andersdeuter sein'" Das hat der Weise, der einst seine Lehre Mit seinem Tod besiegelt, nie gelehrt; Das hat fürwahr — dem Heiligen die Ehre — Kein Jünger je aus seinem Mund gehört.