Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- L. G., Leipzig
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 717 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 717 unser Glaubensgenosse war, sogar vor dem Dresdener Gericht in dem bekannten „Li- und Lo-Prozeß" bündig versichert hat, die von seinem Bruder an Gerichtsstelle rückhaltlos als eine ihm bekannte Thatsache bezeichnete Abstammung von einem zum Christenthum übergetretenen jüdischen Juristen, sei ihm völlig unbekannt. Mit der germanischen Abstammung mancher andern antisemitischen Größe ist es kaum besser gestellt. Wenn Jemand „Liebermann" heißt und in Bielscastruga geboren ist, dann ist er nicht über den Verdacht erhaben, daß ein Ahnherr der später geadelten Familie „von Sonnenberg" leine Ahnung von angestammten .teutonischen" Empfindungen hatte, sondern auch einmal .über die östlichen Grenzen zu uns gekommen ist". I. S., Fulda. Daß die .Fuldacr Zeitung" die Vorgänge im Reichstage zu gehässigen Ausfällen gegen die Juden benutzt und auch nichtjüdische Abgeordnete zu diesem Zweck zu Juden stempelt, ist nicht zu verwundern. Wo man mit den politischen Gegnern einen schweren Stand hat, benutzt man überall jetzt denselben antisemitischen Tric. Vor der Logik hält solche Politik der Verbitterung gewiß nicht Stand. Wenn das unverkennbar antisemitische Blatt sich darüber aufregt, daß infolge .der parlamentarischen Wirren der Weizen des Antisemitismus blüht", ist dies eigentlich ein Widerspruch; die Redaktion müßte sich darüber eigentlich freuen, statt sich über die angebliche „orientalische Wildheit der Obstruktion" zu ereifern. L. I., Olpe. Wir verweisen Sie auf obige Briefkasten-Notiz *3- S.. Fulda." Was das „Sauerländische Volksblatt" über „Judensippschaft," „Judenknechtschaft," Judenkommando" u. s. w. schreibt, ist wahrlich nicht geeignet, sich darüber aufzuregen. Wenn man mit blanken Waffen dem politischen Gegnern nichts anhaben kann, dann pflegt man heutzutage leider die Waffen in das antisemitische Gift zu tauchen! L. H., Hamburg. Die Notiz „Juden als Priester der Kunst", durch welche das dortige antisemitische „Deutsche Blatt" die jüdischen Vortragenden herabzusetzen meinte, hat auf jeden Unbefangenen sicher den entgegengesetzten Eindruck gemacht. Daß das Blatt das die Antisemiten aller Zeiten verhöhnende Esther-Fragment aus dem „Jahr, marktsfest zu Plundersweilern" heranzieht, um den Altmeister Goethe zum Antisemiten zu stempeln, ist geradezu lächerlich. Die angezogenen Verse verhöhnen nur die Art, mit welcher Haman und seine unzähligen Nachahmer mit wechselndem Erfolge immer aufs neue versucht haben, die Herrscher gegen ihre jüdischen Unterthanen mißtrauisch zu machen, nicht aber die letzteren, die sich immer als friedliche Staats-