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Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 716

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
O. St., Magdeburg
Date
1902-12-01
Page
716 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Im deutschen Reich 716 tagswahlkreis Bischofswerda ist auf Vorschlag des bisherigen antisemitischen Abgeordneten Gräfe der Chefredakteur Oswald Zimmermann in Dresden als Kandidat aufgesteüt. Im hessischen Wahlkreise Kassel-Melsungen reist als antisemitischer Kandrtat der deutschsociale Amtsrichter Lattmann umher. Im Wahlkreise Schleswig- Eckernförde arbeitet der agrarisch - antisemitische Kandidat Graf Reventlow mit Hochdruck; eine Agirationsversammlung jagt dort die andere. L. <§., Leipzig. Die Annahme des Zolltarifs ist weder eine Niederlage des Judenthums noch ein Erfolg der antisemitischen Partei, wenn auch bei den vorangegangcnen Debatten das Niveau des deutschen Reichstags mehrfach durch antisemitische Redensarten in bedauerlichster Werse erniedrigt worden ist. Es heißt, den Lesern Sand in die Augen streuen, wenn die „Staatsbürqer-Ztg." von der Annahme des Tarifs sagt: „Dieser Ausgang ist in doppelter Hinsicht erfreulich; einmal, weil damit der Beweis erbracht ist, daß Singerleben und Genossen noch nicht die Macht in Händen haben, zum andern, weil mit der Annahme des Zolltarifs die Politik des größeren Schutzes der nationalen Arbeit zum Siege gelangt ist." Ob dieser Sieg ein .Pyrrhus-Sieg" ist oder nicht, darüber läßt sich streiten; so viel steht aber fest, daß die antisemitische Partei zu der Annahme des Zolltarifs absolut nichts beigetragen hat. Nach der Abstimmungsliste haben die Antisemiten Bindewald, Gaebel, Graefe, Liebermann, Müller-Waldeck, Raab und Werner gegen den Antrag gestimmt; die andern haben wie gewöhnlich gefehlt. An dem Erfolge der von der „Staatsbürger-Ztg." gebotenen Politik haben also ihre Gesinnungsgenossen (auch ihr Redakteur Werner!) keinen Antheil. — Die sozialdemokratische „Leipziger Volks- Zeitung" nagelt es fest, daß der frühere Redakteur der „Dresdener Nachrichten* und jetzige spiritus rector der stark antisemitisch angehauchten „Leipziger Neuesten Nachrichten" in einem Leitartikel dieses Blattes die „Freisinnige Vereinigung" als „Singers Büttel" bezeichnet und ihren Anhängern prophezeit, daß einst „die Herren vom Wadelstrumpf bekümmert mit dem leeren Sack davonziehen, mit dem sie ja allerdings auch zum guten Theil vor Jahr und Tag über die östlichen Grenzen zu uns kamen". Dazu bemerkt das sozialdemokratische Blatt: „Herr Liman muß es ja wissen, er ist ja damals dabei gewesen, als gewisse Leute mit leerem Sack über die östlichen Grenzen kamen. Heute hat das Herpj Liman nicht mehr nöthig, heute verspottet er seine Glaubensgenossen." Die „Leipziger Volks-Ztg." irrt sich insofern, als Herr vr. Paul Liman niemals

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