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Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 715

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
R. D., Berlin
Date
1902-12-01
Page
715 (sequence 1)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 715 Helden; das Antisemitenblatt jagt Zwar am Anfang der Notiz, daß „die Mitbürger jüdischen Glaubens zu dem Mittel gegriffen hätten, an den judenreinen Stätten des Herrn Sommer ihr Müthchen zu kühlen," revoziert aber mit dem ihm eignen „teutonischen Muthe" weiter hm und begnügt sich mit der zahmeren Andeutung: „Man nimmt an, daß die vor der Thür stehenden Juden die Auftraggeber gewesen sind." Die Gerichtsverhandlung wird schon über diese Sache Klarheit schaffen; inzwischen steht aber fest, daß für die christlichen Bewohner jenes Theils der Friedrichstraße, die durch das „judenreine" Wirthshaus verursachte Unruhe eine ebenso große Belästigung ist, wie für die jüdischen Nachbarn des Herrn Sommer. O. St., .Magdeburg. Unterschätzen Sie die Bedeutung der Rcichstagswahlbewegung nicht; es sind sehr unliebsame Ueberraschungen keineswegs ausgeschlossen, da die judenfeindlichen Parteien sich frühzeitig gerüstet haben und jetzt schon mit Volldampf arbeiten.' Der „Bund der Landwirthe" soll sich angeblich bemühen, den freikonservativen Abg. Gamp aus Flatow-Deutsch-Krone zu verdrängen. Der Voff. Ztg. wurde am 17. November aus Jastrow geschrieben: „Wir werden Herrn Gamp wiederwählen und haben gar keine Angst, daß hier ein Antisemit durchkommt. Herr Ahlwardk ist auch gestern ruhig durchgefahren nach Ratzebuhr, um sein Heil in dem Kreise Neustettin zu versuchen." Ahlwardk hat bekanntlich den Kreis Arnswalde-Friedeberg Herrn Bruhn überlassen und sucht sich in Pommern ein neues Reich. In Ratzebuhr sprach er in 2lj2 ständiger Rede über die „werteschaffenden Stände in Stadt und Land", die sich eng zusammenschließen sollten, damit die Früchte der nationalen Arbeit nicht mehr in den unergründlichen Judengeldsack fließen könnten. Die Judenfrage sei keine civilrechtliche, sondern eine staatsrechtliche und müsse als solche gelöst werden. Wenn diese Lösung versagen sollte, stehe zu befürchten, daß dann die gemarterten Deutschen schließlich zur „ thatsächlichen" Lösung übergehen würden. Natürlich meint dies auch Ahlwardt nur bildlich! Im Wahlkreise Arnswalde-Friedeberg reist der antisemitische Verleger Bruhn umher und hält ähnliche Reden. Die „Staatsb.-Ztg." berichtet, daß in der Versammlung in Gurkow das schöne Lied gesungen worden ift: „Ich hatt' einen Kameraden, einen bessern findst Du nicht." — Das klingt für Bruhn weniger schmeichelhaft, als für Ahlwardk. Dem berühmten Talmudgelehrten, welcher den Talmud nur aus antisemitischen Vcrballhornisierungen kennt, Pfarrer Kröfell soll der Bund der Landwirthe,' für den Fall, daß er seine Kandidatur in Pyritz- Saatzig zurückziehe, einen mecklenburgischen Wahlkreis angeboten haben, wofür aber Herr Kröfell gedankt habe. Für den 1. sächsischen Reichs-

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