Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- O. R., Berlin
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 713 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten Ver Redaktion- 718 Briefkasten der Redaktion. O. R., Berlin. Wenn wirklich einmal in einer Aufführung des Gebrüder Herrnfeld-Theaters ein Jude von der vortheilhaften Seite geschildert wird, ändert dies nichts an dem nachtheiligen Einfluß derartiger Darbietungen, über den sich die Judenfeinde vollständig klar sind. Die Antisemitenpresie macht deshalb für jedes Stück der Direktoren Anton und Donat Herrnfeld Reklame; sie rühmt z. B. bei Besprechung des neuen Theaterstücks „Nachtdienst" dieser Theaterleiter noch, daß sie bisher „die Zuschauer durch die unverfälscht echte Art der Wiedergabe jüdischer Charaktere in all' ihrer Schnoddrigkeit zu heller Heiterkeit zwingen." Diesen „Nachtdienst" haben die Herren Herrnfeld dem Judenthum in einer ohnehin wenig lichtvollen Zeit geleistet. „Schnoddrig" mögen die meisten von ilvnen dargestellten jüdischen Charaktere gewesen sein, keinesfalls aber waren dieselben eine „unverfälschte Wiedergabe" des Wesens deutscher Juden, sondern höchstens die gewisser Typen aus „Halbasien", die in der Hcimath der Herren Herrnfeld vorhanden sein mögen, aber sicher nicht geeignet sind, die Charaktere deutscher Juden wahrheitsgetreu wiederzugeben. E. C., Berlin. Der unter der Überschrift „Praktischer Antisemitismus im „Berliner Tageblatt", in den „Deutsch-Sozialen Blättern" erschienene Artikel, in welchem versucht wird, den Dramatiker Sudermann wegen seiner Aeußerung über „Verrohung in der Theaterkritik" zum Antisemiten zu machen, trotzdem gleichzeitig mitgetheilt wird, daß Sudermann dem verstorbenen Abg. Rickert sehr nahe stand, ist eine echt Liebermannsche Leistung. Bezeichnend ist für diese die Behauptung, daß auch der Anonumus der „Gegenwart" ein Jude sein