Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Parchim
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 703 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 703 der conservativen Partei in Verbindung zu setzen und in erster Linie mit dem Rittergutsbesitzer Bock - Gr. Brütz zwecks Annahme der Kandidatur Zu verhandeln." □ Wien, 9. Dezember. Die „Neue freie Presse" berichtet: Der Schneider Wenzel Hlasek sandte an einem Nebembertage sein sechsjähriges Kind in den Laden des Schnittwaarenhändlers Adolf Morgenstern. Da es nicht zurückkam, ging er zu Morgenstern, behauptete, er habe das Kind verborgen, forderte es zurück und ließ unter großer Aufregung einer sich ansammelnden Menge von Menschen, die eine erregte Ritualmord.Diskussion führte, eine polizeiliche Hausdurchsuchung vornehmen. Das Kind war zu einem anderen Gemüsehändler gegangen, verweilte auf der Straße und kam dann heim. Das Ehepaar Morgenstern erhob durch Dr. Oskar Hein gegen Hlasek die Ehrenbeleidignngs-Klage, die heute den Strafrichter in Hernals. Dr. Gaunerodorfer, beschäftigte. Der Angeklagte gab an, er habe das Kind bis knapp an die Ladenthür Morgensterns begleitet. Wie sich später herausgestellt hatte, ging das Kind nicht hinein. Er kam kurze Zeit darauf zurück, glaubte sein Kind noch bei Morgenstern, und als es etwa eine Stunde lang nicht kam, schlug er Lärm. — Richter: „Aber die Eheleute haben Ihnen doch gesagt, sie haben das Kind nicht in der Wohnung. Da hätten Sie zum Wachmann gehen und ihm sagen sollen, Ihr Kind hat sich verlaufen, nicht aber, der Morgenstern hält cs gefangen. Mit solchen Beschuldigungen muß man sehr vorsichtig sein, besonders aber gegen Juden. Man hört heut zu Tage allerhand Märchen, daß die Juden Blut brauchen, und um diesen Märchen nicht neuen Stoff zu liefern, hätten Sie vorsichtiger sein sollend Der Richter verurtheilte den Angeklagten zu einer Woche Arrest, verschärft mit einem Fasttage, und nahm an, daß der Angeklagte unter einer Suggestion, hervorgerufen durch die Lektüre von Zeitungsartikeln über das Blutmärchen, gehandelt haben möge. <F> Pilse», I. Dezember. Dem „Pilsener Tageblatt" wird berichtet: Der verstorbene Fürst Wilhelm von Hanau und zu Horzowitz hat vor etwa drei. Jahren 500 Kronen in der Horzowitzer Sparkaffe mit der Bestimmung angelegt, daß dieser Betrag der israel. Cultusgemeinde bei der Grundsteinlegung eines Tempels ausgezahlt werden sollte. Nachdem der Bausonds zur Halste gedeckt ist, gedenkt nun die Cultusgemeinde in Horzowitz im Frühjahr mit dem Bau zu beginnen.