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Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 702

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
Karlsruhe
Date
1902-12-01
Page
702 (sequence 2)
Language
German
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finden!" — Diese Notiz veranlaßt die „Köln. Volkszeitung", die als Ccntrums-Organ für die prozentuale Parität stets einsteht, zu bestätigen, daß das hiesige Landgericht die Vertretung des israelitischen Elements auf einen gewissen Prozentsatz zu beschränken sich entschlossen habe, gleichzeitig aber mitzutheilen, daß die Angelegenheit im badischen Landtage zur Sprache gebracht werden solle. — Dies wird aber nicht nöthig seirr, da nach einer Mittheilung des Vorsitzenden der Handelskammer in Mannheim, Diffcne, dieser beim Minister von Dusch in Karlsruhe Audienz genommen, und der Minister versichert habe, daß die Streichung der drei Herren nicht im Sinne der Großherzoglichen Regierung'sei, der nichts ferner läge als Antisemitismus. Daraufhin stellte die Handelskammer bei einer Neuwahl dieselben drei Herren auf die Vorschlagsliste, die jedoch diesmal die Ehre ablehnten. Trotzdem enthalte die neue Vo^chlagsliste drei andere israelitische Kandidaten. H Parchim, I. Dezember. In der Wahlversammlung des conservativen Kreiswahlvereins im III. Mecklenburgischen Wahlkreise hielt im hiesigen Wallhote! am 15. v. Mts. der Vorsitzende des genannten Vereins, Landrentmeister von Oertzen-Schwerin, einen Vortrag über „konservative Politik und Organisation." Das darin entwickelte politische Programm war mit dem sogenannten „Tivoli- Programm" völlig identisch; trotzdem erklärte der Redner nach einer Mitteilung der „Nordd. Post": „Seit 15 Jahren macht sich eine starke antisemitische Strömung bemerkbar. Ich, meine Herren, bin kein Antisemit; warum? weil ich ein Christ bin; es ist m. E. nicht zu rechtfertigen, wenn man die Juden anferndet und verdächtigt, die in ehrlicher Arbeit ihrem Beruf und ihren Geschäften nachgehen. Sofern sie allerdings auf unser christliches Staatswesen ungerechtfertigten Einfluß auszuüben erstreben, werden wir ihnen entgegentreten.* Es wäre zu wünschen, daß Herr von Oertzen gelegemlich mterpelliit würde, wie er sich zur Frage der Beseitigung des Gesetzes vom 3. Juli 1869 stellt, durch welches die vollständige Gleichberechtigung der deutschen Juden verbrieft ist. — An die Versammlung schloß sich eine Berathung der Vertrauensmänner des Bundes der Landwirthe, über welche Folgendes berichtet wird: „Vom Freiherrn v. Wangenheim war für den Wahlkreis der Pastor Kröjell zu Kloxin in der Mark empfohlen worden. Dieser ist aber Antisemit, und trägt man deshalb Bedenken gegen seine Kandidatur. Die Herren Flint-Mühlenhof, Burgwedel- Hof Malchow, Rittmeister Hegeler-Neuhof und Gutspächter Wiese- Kiekindemark wurden deshalb beauftragt, sich mit Bevollmächtigten

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