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Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 699

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
Marburg
Date
1902-12-01
Page
699 (sequence 2)
Language
German
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ttmqwmücnaenr Gleichzeitig begab er sich in den großen Wartesaal, in den ihm die Studenten folgten. Hier rief ihm Harth zu: „Du elender Jud', Du Judenschwindler, Du hast ja die Schwindsucht*, worauf der Baumritter in entsprechender Weise erwiderte. Harth schlug ihm nun seinen Stock auf den Kopf und warf den schwächlichen Baumritter zu Boden. Harth stand deshalb heute wegen Körperverletzung und Beleidigung vor dem Schöffengericht. Wegen ersterer wurde er zu der geringen Strafe von 30 Mk. verurtheilt, aber von der Anklage der Beleidigung freigesprochen, da die Beleidigungen als kompensiert erachtet wurden. Dresden, 4. Dezember. Wie die antisemitische „Deutsche Wacht" berichtet, fand gestern gegen ihren früheren Geschäftsführer Hermann Knauthe vor dem hiesigen Landgericht die Berufungs- Verhandlung statt. Knauthe war in erster Instanz wegen grober Beleidigung des Directors der Allgemeinen Versicherungsanstalt E. Lehleitner zu 3 Monaten Gesängniß verurtheilt worden. Der von Knauthe angetretene Beweis mißlang vollständig — die angeblichen Entlastungszeugen wurden Belastungszeugen. Die Berufung wurde deshalb kostenpflichtig verworfen. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß das Berufungsgericht die ausgeworfene Freiheitsstrafe als nicht zu hoch betrachte, weil die Art und Weise, mit welche die Verdächtigungen ausgestreut wurden, darauf hinauslief, den Privatkläger nicht nur in seiner Ehre zu kränken, sondern auch in seiner gesellschaftlichen Stellung unmöglich zu machen. Die Dresdener Stadtverordneten haben gleichzeitig den antisemitischen Baumeister Hartwig und den nationalliöeralen Landrichter Dr. Heinze zu Stadträthen gewählt, obwohl vr. Heiuze dringend gebeten hatte, von seiner Wahl abzusehen. Die „Sächs- Nationallibcrale Korresp." nennt die Wahl ihres Parteigeneffen einen „Akt antisemitischer Gewaltpolitik", über welchen sie wörtlich sagt: „Jedenfalls ist die zwangsweise Beförderung Zum Stadtrath ein sehr eigenthümliches Hilfsmittel antisemitischer Politiker, unbequeme Gegner, welche das Ohr der Oeffentlichkeit haben, kalt zu stellen." Dem Dresdener Antisemiteublatt „Deutsche Wacht" wird aus Plauen i. V. berichtet: „In Plauen r. V. hat sich das im ganzen Sachsenlande einzig dastehende Ereignis vollzogen, daß ein dortiger Christ um einer Jüdin willen Zum Judenthum übergetreten ist. — Zusatz überflüssig." — Wenn der Religionswechsel nicht aus Ueberzeugung erfolgt, dann ist der „Zusatz", wenigstens nach jüdischen Begriffen, allerdings „überflüssig!" Darmstadt, 2. Dezember. Vor der hiesigen Strafkammer

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