Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Breslau
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 698 (sequence 2)
- Language
- German
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•vim oeüycyen .vtctci). 0 'JO hatten, wird sich bei der Gerichtsverhandlung als eine freie Erfindung der Antisemiten erweisen. Durch die Verbreitung dieser aufregenden Unwahrheit haben sie 37b nichtjüdische Personen zu Ausschreitungen veranlaßt; wegen Landiriedensbruchs sind viele derselben angeklagt, und die Verführer gehen wie gewöhnlich straflos ans! — Im fast vollendeten 90. Lebensjahre ist in Breslau der hochgeachtete Senior der dortigen Gemeindekörpcrschaften, Salomon Weigert, am 6. Dezember verschieden. Er war Armendirektor der Stadt, gehörte seit I806 ununterbrochen der Repräsentanten-Versammlung der Synagogen-Gemeinde an und hat sich um viele gemeinnützige Vereine verdient gemacht. Der Dahingeschiedene war eines der ersten Central-Vereins-Mitglieder in Breslau und allezeit ein begeisterter Anhänger unserer Bestrebungen. Von der allgemeinen Verehrung, welche Salomon Weigert gezollt wurde, zeugte die große Zahl der ihm gewidmeten öffentlichen Nachrufe und die ganz außerordentliche Betheiligung an der Trauerseier, zu welcher sich die Bürger unserer Stadt ohne Unterschied des Glaubens eingefunden hatten. Die jüdische Gemeinde hatte zu Ehren des Heimgegangenen vor seiner Bestattung eine Gedächtnisfeier in der neuen Synagoge veranstaltet, bei welcher die Rabbiner I)r. Guttmann und I)r. Rosenthal ergreifende Ansprachen hielten. ~ Könitz, 7. Dezember. Die Staatsanwaltschaft hat ihr Ausschreiben von 20^00 Mark Belohnung für Entdeckung des Mörders des Schülers Winter erneuert. < Stargard, 1. Dezember. Die „Stargarder Zeitung" berichtete am 29. v. M.: Auf dem Aushang der Strafsachen war heute auch der Name des Pastors Krösell aus Kloxin zu lesen, dahinter die Namen zweier Berliner Vertheidiger (Rechts-Anw. Jüngst und Dr. Miethke). Es erschienen aber weder die Herren Vertheidiger, noch der Herr Pastor. Der Gerichtshof beschloß unter Bekanntgabe eines neuen Termines die Vorführung des Angeklagten. Der Angeklagte hat sich der Beleidigung richterlicher Beamten schuldig gemacht." © Marburg, 4. Dezember. Der Geschäftsreisende Benjamin Baumritter aus Frankfurt hielt sich auf der Durchreise in der Nacht des 15. Juni im Wartesaal 1. Klasse des hiesigen Bahnhofes auf, als mehrere Studenten sich an einem Nebentische niederließen. Einer von ihnen muhte sich erbrechen; Baumritter wandte sich hinweg, um dies nicht zu sehen. Das ärgerte den Studenten Harth, der ihn fragte, „ob er nicht auch k . . . wolle?" Baumritter ersuchte den Studenten, ihn in Ruhe zu lasten, worauf dieser ihneinen „Judenschwindler" nannte, was Baumritter mit dem Wort „R . . junge" erwiderte.