Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- C. S., Posen
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 656 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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656 Im deutschen Reichvielleicht die Augen ausgehen; sie würden die dortigen Juden, die bald in „Polenfreundschaft", bald in „Beförderung des Deutschthums" machen, in ihrer jetzigen Gestalt kennen lernen. Da Herr Wilhelm Bruhn, der doch wahrlich nicht zu den Juden in den Ostmarken zu rechnen ist, selbst s. Zt. für eine Stichwahl die Wahl eines polnischen Kandidaten empfohlen hat, wäre es recht gut, wenn den Führern des Deutschthums über diesen „Deutschen" endlich die Augen aufgingen! L. L., Stettin. Die Note des amerikanischen Staatssekretärs Hay ist auch in der „Friedens-Warte" (herausgegeben von A. H. Fried, Berlin, Grunewaldstr. 40) in diesem humanen Sinne besprochen worden. Der „Im Namen der Menschlichkeit" überschriebene Leitartikel findet sich in der Nummer vom 30. Sept. d. I. Nicht nur dieser Artikel, sondern auch der, in der ebenfalls von A. H. Fried herausgegebenen „Korrespondenz für internationales Leben" enthaltene Aufsatz: „Eine neue europäische Konferenz" wird Ihnen zweifellos sympathisch sein! .¥♦ U., Erfurt. Sie schreiben uns: „Wenn in einer Stadt der Vorsitzende des deutsch-sozialen Reformvereins und der Führer einer antisemitischen Ortsgruppe mit mehr als tausend Stimmen zu Stadtverordneten gewählt werden, haben die Antisemiten Grund, dies als Erfolge ihrer Parteisache freudig zu begrüßen. Daß bei Stadtverordnetenwahlcn weder politische noch konfessionelle Gegensätze mitsprechen sollen, mag ja richtig sein, ebenso daß die Freisinnigen der betreffenden Stadt vorsichtig genug waren, es nicht als einen Sieg ihrer Partei anszuposauncn, als im Jahre 1900 ein freisinniger Oberlehrer erfolgreich neben dem jetzt gewählten Antisemiten kandidierte. Daß die beiden kürzlich in die betreffende Stadtverordnetenschaft gelangten Antisemiten nicht als solche, vielmehr auf Grund eines Wahlaufrufs gewählt worden sind, welcher von den Kandidaten forderte, daß sie politischen und konfessionellen Hader und Zwist nach Möglichkeit vermeiden sollten — ändert an der Sachlage nicht das Geringste. Von Herren, welche den Verhältnissen nahe stehen, wird angenommen, es sei keineswegs ausgeschloffen, daß die in Frage kommenden Stadtverordneten bei Abstimmungen über bezügliche Vorlagen sich von ihrer antisemitischen Gesinnung leiten lassen würden. Dann werden die Wähler zu spät einsehen, daß sie sich bedauerlicher Welse durch Redensarten wie „politisch und religiös unabhängig" ködern ließen." — Sie haben Recht; wir sind Ihrer Meinung*