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Im deutschen Reich · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. 636

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Article
Magdeburg
Date
1902-11-01
Page
636 (sequence 2)
Language
German
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636 Im deutschen Reich. welche der jüdischen Anzeigen nicht bedürfe. Bon den 137 Bundesbrüdern, welche anwesend waren, wurde der Plan gebilligt und es wurde auch gezeichnet." Dazu bemerkt die „Sachsenschau": „Wir, die wir schon mehr Erfahrungen im Zeitungswesen besitzen, möchten hier dringend vor Betheiligung warnen. Die jetzige Zeit ist die denkbar ungünstigste und außerdem fehlen die sachverständigen Leute, welche eine Tageszeitung technisch zu leiten verstehen. Wenn heute nicht l Million in baarem Gelde daliegt, soll man die Hände von solchen Gründungen lassen. Bestehende Zeitungen haben schon schwer zu kämpfen, wieviel mehr neue Blätter, deren Einführung ein Heidengeld kostet. Die Geschichte der antisemitischen Zeitungsgründungen ist reich genug an Mißerfolgen, daß man sehr viel aus ihr lernen kann." Damit hängt offenbar nachstehende in der „Sachsenschau" veröffentlichte Erklärung zusammen: „Ich habe den Mitgliedern des Deutschen Volks-Bundes die Mittheilung zu machen, daß ich mein Amt als Vertrauensmann des Bundes für die Provinz Sachsen niederlegt habe, weil sich meine Anschauungen nicht mehr mit denen der Bundesleitung decken. Die außerhalb Magdeburgs wohnenden Mitglieder wollen ihre Beiträge künftig direkt nach Berlin senden. Die Magdeburger Mitglieder mögen ihre Zahlungen solange zurückstellen, bis ein neuer Vertrauensmann ernannt ist. Die Redaktion der „Sachsenschau" behalte ich natürlich bei. Unser Blatt wird in der bisherigen Weise weitergeleitet und, soweit es die Mittel erlauben, noch weiter ausgebaut. Für das Vertrauen, das mir von den Mitgliedern geschenkt worden ist, spreche ich meinen verbindlichsten Dank aus. Carl Faßhauer, Redakteur." Woldcnberg (N.-M.), 1. November. Unter der Ueberschrift „Ein Jude muß es sein" brachte die „Staatsbürger Ztg." kürzlich aus dem nabegclegenen Olt Hochzeit einen Bericht, in welchem dem christlichen Schulvorstand Vcrwi'nfe gemacht wurden, weil er bei dem Kinderfeste dem jüdischen Gastwirth Ad. Fabian und nicht dem christlichen Gastwbth in Neu-Hoch.eit die Genehmigung enheilte, auf dem Festplatze Getränke zu verabfolgen. Thatsächlich ist der Ausschank früher abwechselnd den beiden christlichen Gastwirthen in Hochzeit, diesmal aber dem jüdischen Gastwirth und zwar ganz ohne dessen Zuthun übertragen worden, weil derselbe seinen Saal zu einem nachträglichen Kaiserfest für die Schulkinder unentgeltlich hergegeben und zum Ausbauen von Sitzplätzen auch seine Bretter ohne Entgelt geliefert hatte. Eutscheidend dafür, daß der christliche Gastwirth in Neu-Hochzeit nicht vorgezogen wurde, war nicht, wie von der „Staatsbürger-Ztg." behauptet wird, einHerandrängen desHerrn Fabian an maß.

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