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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 599

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Dr. M. Grunwald [Rezension]
Date
1902-10-01
Page
599 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau. 599 Amsterdam und in Hamburg, bezw. in Altena giebt. Sodann verweist Professor Sulzbach aus die Eigcnthümlichkeit der aus Portugal eingewanderten Juden, daß sie ihre Grabsteine nicht so schlicht, wie deutsche Juden es zu thun pflegen, sondern mit Menschengestalten, insbesondere mit Darstellungen aus der biblischen Geschichte künstlerisch schmücken ließen. Diev zeigt sich auch auf dem jüdischportugiesischen Friedhof zu Altona. Sulzbach sagt: „Alles dies erfahren wir aus einer ebenso gründlichen wie fleißigen Arbeit von vr. M. Grunwald, der uns die Geschichte der portugiesisch-jüdischen Gemeinden von Hamburg, Altona und Glückstadt erzählt. Zu diesem Zweck hat er nicht nur die bezüglichen Gemeindeakten benutzt, sondern als sicherste Urkunde die Grabsteininschriften einer genauen Prüfung unterzogen. Von den Skulpturen hat der Verfasser die interessantesten dem Buche in Abbildungen beigegeben und durch diese Illustrationen den Werth seines Werkes, das so auch für die allgemeine Kunstgeschichte von Interesse ist, erhöbt. Für die Darstellungen, die der Künstler in den Stein eingemeißelt hat, scheint im allgemeinen nichts anderes als der Name maßgebend gewesen zu sein, nicht etwa das Lebensgeschick deffen, dem das Grabmal gewidmet ist. Es genügte, daß einer Daniel hieß, daß man mit der Szene des Daniel in der Löwengrube den Stein schmückte. Das Grab einer Frau Rahel schmückt das Bild der Rahel, welche die Schafe ihres Vaters weidet. Auf dem Grabsteine eines Mannes Joseph sehen wir Joseph, wie er von seinen Brüdern aus einem Brunnen heraufgezogen wird, um an die Sklavenhändler verkauft zu werden. Schön dargestellt ist der Traum Jakobs, wie dieser die auf der Leiter auf- und niedersteigenden Engel erschaut. Auch an eiuer Szene aus dem Todtentanze fehlt es nicht. Rührend ist das lebensgroße Bild einer Frau, die auf jedem Arm ein neugeborenes Kind trägt; unter diesem Steine ruht wohl eine Mutter, die mit ihrem Leben die Geburt eines Zwillingspaares bezahlt hat. Diese Grabdenkmäler rühren aus dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts her. Ob alle von jüdischen Steinmetzen — nach Auskunft der Gemeindebücher gab es solche zu jener Zeit — herrühren, läßt sich bezweifeln; einige sind unstreitig von jüdischen Künstlern verfertigt." — Die in dem Grünwaldschen Buche enthaltene Bemerkung, daß „die jüdijchen Steinmetzen und Graveure im 18. Jahrhundert einen besouderen Ruf genossen", veranlaßte das Hamburger antisemitische „Deutsche Blatt" zu der ironischen Frage: „Hast Du lieber Leser, etwas davon gehört, daß die jüdijchen Steinmetzen und Graveure in Hamburg heute „sogar einen besonderen Ruf" genießen? Wirst Dich wohl vergeblich nach

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