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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 590

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
B. C., Berlin
Date
1902-10-01
Page
590 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reich. lr90 jedes humanitäre Empfinden für etwas, was nur über den Ernst der Lage irreleitet. Mit solchen Leuten, die nun einmal die Antipathie haben, ist nicht zu streiten. Wie aus dem Briefkasten der „Deutschen Wacht" zu entnehmen war, hat ein Leipziger Antisemit von der Redaktion des Dresdner Antisemitenblattes den vollständigen Abdruck des ,,Gegenwart"-Artikels erbeten. Daß die „Gegenwart" dieser Geschmacksrichtung Rechnung trägt, ist bedauerlich, aber sie schadet damit wohl weit mehr sich selbst als anderen. Man wandelt eben nicht ungestraft unter Palmen, auch nicht durch die Redaktionsräume des „Deutschen Michel". L. M., Berlin. Der Gelehrtenstreit, den der Vortrag von Friedrich Delitzsch „Babel und Bibel" entfacht hat, ist keineswegs unwesentlich für das Judenthum. Durch eine Schrift des ordentlichen Professors an der Bonner Universität Pr. phil. und Pr. theol. Eduard König ist die in jenem Vortrag enthaltene Voranstellung Babels vor die Bibel in vielen Punkten überzeugend widerlegt worden. In der am 2. d. Mts. erschienenen Rümmer der Marburger Zeitschrift „Die christliche Welt" bemängelt aber Friedrich Küchler wiederum die Ausführungen Königs, wie er selbst sagt, auf die Gefahr hin, in den Geruch des Antisemitismus zu kommen. Er vermeidet aber diese Gefahr am Schlüsse seiner Ausführungen durch folgende resümierende Erklärung: „König hat Recht mit der Meinung, daß man heutzutage viel zu weit geht, wenn man im Alten Testament immer und immer wieder babylonisches Gut entdeckt. Es muß hier festgestellt werden, daß bisher als sicher anzunehmen aus Babel stammend nur die Schöpfungs- und Sintfluth- Erzählung betrachtet werden dürfen, und zwar trotz des durchaus eigenartigen Geistes, den diese Stücke im Alten Testamente athmen. Dieser ist natürlich kein Kriterium dafür — wie König gerne möchte —, daß auch die Stoffe original israelitisch sind. Sondern wir tonnen an ihnen nur studieren, wie die Eigenart der israelitischen Religion im Stande war, die wüst mythologischen babylonischen Stoffe umzugestalten und auch aus ihnen das Licht einer geläuterten Gottes- und Weltanschauung strahlen zu lassen. Und so bleiben oder werden auch sie für uns Gottesoffenbarung; in einem anderen Sinne freilich, als man ihn traditionell mit diesem Worcke verbindet, aber wahrlich in keinem schlechteren." E. A. G., Berlin. Ihre Verwunderung, daß der Verein nicht für eine bedeutend ausführlichere Berichterstattung über den Staatsbürger-Zeitungs-Prozeß bei dem „Berliner Tageblatt" Sorge ge-

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