Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Thorn
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 583 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 583 geklagten bekannt zu machen. Der Staatsanwalt hatte, da die That große Gemeinheit erkennen lasse, nenn Monate Gefängniß beantragt. oo Kiel, 1. Oktober. Das Kriegsgericht des ersten Geschwaders verhandelte gegen den Stewardmaat Petzoldt vom Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." wegen Beleidigung des Matrosen Mar Hirsch, den er an Bord geschimpft und auch „Iudenjunge" genannt hatte. Der Vater desHirsch reichte eineKlage beimKommando des ersten Geschwaders ein, worauf der Gerichtshcrr Anklage gegen Petzoldt wegen Beleidigung erhob. Da P. dem H. jene Worte nicht direkt in's Gesicht gesagt sondern Anderen gegenüber gebraucht hatte, erkannte das Standgericht auf die Mindeststrafc. Der Verurtheilte legte Berufung ein und beantragte seine Freisprechung mit der Begründung, daß er nicht die Absicht der Beleidigung des sx gehabt habe, da der Matrose an Bord allgemein „Judenjunge" genannt werde. Die als Zeugen erschienenen Kameraden des H. bestritten entschieden, daß dieser an Bord mit dem Namen gerufen werde, sx hat sich beim Militär gut geführt und keine Strafe erlitten. Das Gericht verwarf die Berufung des Angeklagten als unbegründet, da P. objektiv eine Beleidigung ausgesprochen habe. Es bedauerte gleichzeitig, daß es nickt in der Lage sei, die vom Standgericht erkannte Strafe zu erhöhen, weil der Gerichtsherr keine Berufung eingelegt habe; andernfalls hätte es die Strafe erhöht. Hamburg, 9. Oktober. Der kürzlich hier stattgehabte Parteitag der freisinnigen Volkspar Lei hat einstimmig den von dem Rechtsanwalt Gvßling aus Königsberg eingebrachten nackstehenden Antrag angenommen: „Der Parteitag bedauert, daß noch immer ein Theil unserer Staatsbürger seiner Religion oder Abstammung oder Herkunft wegen zurückgesetzt und von einzelnen Berufszweigen ganz ausgeschlossen wird, und spricht die Erwartung aus, daß die Abgeordneten energisch dafür eintreten werden, daß endlich die Bestimmung der Verfassung und des Gesetzes vom 3. Juli 1869 befolgt werde und die Besetzung der Aemter lediglich die Tüchtigkeit den Ausschlag gebe." Im Verlaufe der Debatte über diesen Antrag äußerte sich der Abg. Rektor Kopsch aus Berlin scharf über die Behandlung des Antrages Peltasohn im preußischen Abgeordnetenhause. Der Justizminister habe erklärt, daß er mit Imponderabilien zu rechnen habe. Dagegen müffe der Parteitag protestieren. SC* Dresden, 8. Oktober. Die Reformpartei veranstaltete hier am l. d. M. eine große Protestverfammlung gegen die Forderung der Grenzsperren-Beseitigung, um dem antisemitischen früheren Abgeordneten