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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 517

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Köln
Date
1902-09-01
Page
517 (sequence 2)
Language
German
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Korcspondenzcn. 517 Erachtens müsse die Badenia aufgehoben werden, weil ihre Existenz den anderen Corporationeu Anlaß gebe, sie zu insultieren, und dadurch der academische Friede gestört werde. Der einzige Ausweg sei die Ablegung der die Provokationen verursachenden Couleur. Diese Aeußerungen kennzeichnen die Sachlage. Anstatt die antisemitischen Corporationen für ihre Provokationen zu bestrafen, beseitigt der Senat die alleinstehende jüdische Verbindung, ohne durch deren Verhalten triftige Veranlassung dazu zu haben! Dieser Standpunkt steht auf einer Höhe mit der Logik des Richters, von dem Chamisso erzählt, daß er den Juden zum Ersatz des eingeworfenen Fensters verurtheilte, weil der Stein an dessen Kopf und nicht in's Fenster geflogen wäre, wenn er mit dem Kopfe stillgehalten hätte." — Dazu bemerkt die „Köln. Volks-Zeitung:" „Wir können die thatsächlichen Angaben des Blattes nicht prüfen, wollen sie jedoch einmal als richtig annehmen. Dann aber fragen wir: Wo blieb die Entrüstung, als in Oesterreich einmal über das andere Mal katholische Studenten, lediglich weil sie Couleur trugen und dadurch „provoeierten," von liberalen Commilitonen in der rohesten und feigestcn Weise mißhandelt wurden?" — Dem von Katholiken herausgegebenen und für Katholiken geschriebenen Blatt gelten leider alle Aeußerungen der protestantischen Redakteure solcher Blätter, deren Herausgeber Juden sind, für jüdische Aeußerungen, was sie keineswegs sind! oa Nürnberg, 12. September. Aus Anlaß des Abschlusses des westfälischen Friedens ließ im Jahre 1650 der Rath der Stadt Nürnberg einen kunstvollen Neptunbrunnen Herstellen, dessen Aufstellung auf dem Marktplatze aber schließlich unterblieb, weil es der Stadt nicht nur an Geld, sondern auch an Wasser fehlte. Die durch die kriegerischen Zeiten in schwere Schulden gerathene Stadt verkaufte 1798 das im Bauamt verwahrte Kunstwerk an den Kaiser Paul von Rußland. Der Wunsch der Nürnberger, den im Schloßgarten zu Peterhof ausgestellten Brunnen zurück zu erlangen, blieb unerfüllt; schließlich wurde aber die Erlaubnis zur Herstellung eines Gipsabgusses behufs Nachbildung für -Nürnberg erlangt. Nunmehr wird die Nachbildung des Brunnens auf dem Markt zu Nürnberg ausgestellt werden; dem Wassermangel ist abgeholfen und dem Geldmangel auch, da ein Nürnberger Bürger jüdischen Glaubens, der Kommerzicnrath Ludwig Gerngroß, die sich auf 80 000 Mark belaufenden Kosten der Nachbildung und Aufstellung zu tragen sich bereit erklärt hatte. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" nennen den Namen des opferfreudigen Nürnberger Bürgers und sagen: „Die hochherzige Spende ist eine nationale That, die im ganzen Vaterlande

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