Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 506 (sequence 15)
- Language
- German
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506 Zur deutschen Reich. Vereinigten Staaten auszuwandern, nicht entsprochen habe. Die Lehren der Geschichte und die Erfahrung des amerikanischen Volkes hätten gezeigt, daß die Juden in hohem Maße die geistigen und sittlichen Eigenschaften eines guten Bürgers besäßen, und keine Klasse sei in Nordamerika mehr willkommen, wenn sie nach Körper und Geist geeignet sei, amerikanische Mitbürger zu werden. Aber die Regierung der Vereinigten Staaten könne zu einem internationalen Unrecht nicht schweigen. Sie müsse durchaus gegen, die Behandlung, der die Juden in Rumänien unterworfen seien,. Widerspruch erheben, nicht allein deshalb, weil sie einen unanfechtbaren. Grund habe, gegen das daraus entspringende Unrecht gegen die Vereinigten Staaten selbst Einspruch zu erheben, sondern im Namerr der Menschlichkeit. — Diese Worte müssen auch bei anderen Regierungen Widerhall finden! Die Juden waren allezeit gute Bürger und haben jedem Staate Glück gebracht, der sie gastlich aufnahm. Ein trefflicher Artikel, den Wolfgang Kirchbach in der „Nation" veröffentlicht, endet mit den Worten, mit denen auch diese Betrachtung schließen möge: „Eine große verwandte Völkerschaft, die durch die Katastrophen der Natur, die Abwirthschaftung des Bodens durch eine uralte Kultur und daraus resultierende politische Ereignisse zur allmählichen Absiedelung und Zwischensiedelung, zur allmählichen Theilnahme am Leben der Nationen gekommen ist, wird man in einem größeren Sinne auf diesem Erdball freundlick willkommen heißen als ein Produkt großer Naturgesetze der Geschichte, denen einst auch andere Völker und Kulturen werden folgen müssen. Eine Menschheit dieser Art wird jeden, der da gearbeitet hat und dessen Vorfahren gearbeitet haben, gastlich willkommen heißen am jeweiligen Tische der Menschheitskultur." A. L.