Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- O. D. Berlin
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 467 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 467 unliebsame Erfahrungen macht. Trotzdem empfiehlt es sich, alle Orte zu meiden, wo Aehnliches zu befürchten ist, schon damit die Badeverwaltungen durch das Ausbleiben zahlreicher Gäste vor antisemitischen Entgleisungen bewahrt werden. Dies gilt u. a. von KitzbüHel i. Tirol. Nach einer Mittheilung der „Allg. Ztg. d. Judenthuns" vom 18. Juli hat die dortige Fremdenverkehrs- Sektion ihre Prospekte, Wohnungslisten rc. mit folgendem Stampiglienaufdrucke versehen: „Beschluß der Generalversammlung von 1897. Anfragen von Juden haben unberücksichtigt zu bleiben." V. G. Berlin. Bei der Beerdigung des großen Bildhauers Marcus Antokolsky, welche am 20. Juli auf dem Friedhöfe der Petersburger jüdischen Gemeinde stattfand, zeigte sich deutlich, daß selbst in Rußland das Talent den einzelnen Juden vor dem antisemitischen Vorurtheil schützt. Der ergreifenden Trauerseier in der Petersburger Synagoge, in welcher der Sarg vor der heiligen Lade aufgebahrt war, wohnten der Vizepräsident der Kais. Akademie der Künste, Graf Tolstoi und zahlreiche Professoren bei. Rabbiner I)r. Drabkin gab dabei der allgemeinen Trauer über das Hinscheiden des hochbegabten Künstlers und der Genugthuung, daß er ein treuer Glaubensgenosse gewesen, beredten Ausdruck. Nach der Feier wurde die Leiche mittels Sonderzuges nach dem Friedhofe befördert, und zwei andere Sonderzüge waren erforderlich, um das nach Tausenden zählende, aus Christen und Juden bestehende Trauergefolge dorthin zu befördern. An der Gruft wurden demDahingcschiedenen mehrere ehrende Nachrufe gewidmet, darunter ein solcher des Grafen Tolstoi, der die Bedeutung Antokolskys als Künstler rühmend hervorhob. K. 9t., Berlin. Ob der Bittsteller aus Skala a. Z. in Galizien einer Unterstützung würdig ist oder nicht, können wir ebensowenig mit Sicherheit beurtheilen, wie die Aechtheit des Zeugnisses. Dem Vernehmen nach soll aber in Skala die Ausfertigung von Mittellesigkeitszeugnissen und Empfehlungsschreiben fabriksmäßig betrieben werden, weshalb eine Warnung vor den aus Skala herrührenden Bettelbriefen wohl am Platze ist. Berlin. Ein in der Deutschen Schutztruppe von D. S.-W.-Afrika zum Unteroffizier beförderter, nach fünfjährigem Dienste 1899 wegen eines infolge des Malariafiebers eingetretenen Herzleidens als civilversorgungsberechtigter Invalide entlaflener Glaubensgenosse, der ehemalige Gastwirth Hermann Hennig aus