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Im deutschen Reich · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. 466

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
A. S. Berlin
Date
1902-08-01
Page
466 (sequence 2)
Language
German
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466 Im Deutschen Reich. schildert werden, als das hier von einem Juden geschieht. Trotzdem sind wir mit der größten Vorsicht an die Lektüre und auch an die Benutzung des Buches gegangen. Wir kennen unsere jüdischen Mitbürger zu gut, wir haben zu häufig die verschlungenen Pfade kennen gelernt, auf denen sie zum größeren Ruhme ihrer Rasse arbeiten, als daß wir uns durch das „offene Wort" eines anscheinend vorurteilsfreien, mit scharfer Beobachtungsgabe und Wahrheitsliebe begnadeten Schriftstellers Israels sollten täuschen lassen. Wie nützlich das war, zeigen zahlreiche bei uns in den letzten Tagen eingelaufene Zuschriften, die, anonym gehalten, offenbar aus jüdischem Lager stammen und durch die sich wie ein roter Faden der Gedanke zieht; Die Schrift Rathenau's zeige die tiefbedrückte, traurige Lage der in Deutschland lebenden Inden, von einer Gefahr des Judentums könne keine Rede mehr sein, der Antisemitismus sollte endlich die Inden in Ruhe lassen, und es wäre hohe Zeit, daß man den aufgeklärten Juden die ihnen gebührende Vormachtstellung einräumte". In ähnlichem Sinne äußert sich die „Deutsch. Tageszeitung", welche übrigens aus Erkenntlichkeit für die ihr willkommenen Mitlheilungeu in den „Impressionen" den ungetansten Verfasser des „Höre Israel" gegen seinen getauften Stammesgenoffen vcrtheidigt, der im „Kleinen Journal" Herrn Rathenau-Hartenau zur Selbsterkenntniß ermahnt und ihm empfiehlt, in der geistesarmen „Geistreichelei" den letzten Grund des Antisemitismus zu suchen. — Besonders bedenklich scheint uns die Rathenau'sche Auffassung daß ein „jüdisches Patrizierthum der geistigen und körperlichen Kultur" bevorzugt werden solle, und seine Behauptung: „Gäbe nur eine Handvoü jüdischer Beamten und Offiziere, so würde die es jüdische Bevölkerung nicht aus politischer Hoffnungslosigkeit sich bei berufsmäßigen Opposition zuwenden". Der Staat müsse verhüten, daß in den Seelen der besseren Inden ein Funke koriolanischen Zornes entfacht werde. In der Zeit schwerer Bedränguiffe wäre nichts verkehrter als eine Scheidung der Juden in Patrizier und Plebejer, und nichts bedenklicher als wenn die Ernennung einzelner zu Beamten und Offizieren als Bedingung für die Vaterlandsliebe anerkannt würde. Keine Zurücksetzung kann bessere deutsche Juden zu Konolanen machen, keine Epauletts können sie zur Verleugnung ihrer politischen oder religiösen Ueberzeugungen veranlassen! O. D. Berlin. Es ist nicht selten, daß eine einzelne jüdische Familie auch in einem Erholungsort, der fast allgemein als antisemitisch gilt, keinerlei Belästigung erfährt, eine andere Familie wiederum in einem noch nicht als antisemitisch verrufenen Sommeraufenthalt

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