Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- Wien
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 457 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. -157 Spika, welcher Ende Dezember 1901 wegen Beleidigung der Familie Kopstein durch brutale antisemitische Schimpfreden zu einer Geldstrafe verurtheilt wurde, im Disziplinarwege von seiner Lehrthätigkeit an der genannten Anstalt enthoben worden. rfr Prag, 9. August. Das Prager Tageblatt berichtet: „Wie Ritualmordmärchen gemacht werden. In Rakonitz machte am. 29. v. M. das Gerücht, daß ein christliches Mädchen, das bei dem Kaufmanne I. N. bedienstet war, verschwunden sei, die Runde durch die Stadt. Das Mädchen ging am 28. Juli 9 Uhr Abends auf die Post und da es lange nicht zurüctkehrte, erstattete N. Anzeige bei der Gendarmerie. Die durch das Rakonitzer antisemitische Blatt aufgehetzte Volksmenge wollte sofort darin einen Ritualmord sehen. Am nächsten Tage kam das Mädchen ganz ermattet wieder zu seinem Dienstgeber zurück, wo es angab, daß es von Zigeunern entfuhrt worden sei und nur mit Mühe denselben habe entfliehen können. Diese Aussage dürste jedoch nicht wahr sein, sondern die Magd dürfte bei ihrem Geliebten, der in einem benachbarten Dorfe wohnt, zu Besuch gewesen sein und einen Tag mit ihm verbracht haben." Aus Schroda war uns am 19. Juni d. I. Folgendes mitgctheilt worden: „Zu den schönen Worten anläßlich der letzten Polendcbatte über Förderung des Deutschthums in den Ostmarken ist Folgendes zu erwähnen, um zu beweisen, wie in einzelnen Kreisen die geübte Praxis von der Theorie abweicht: Als hier vor einiger Zeit neue Telephonleitungen angelegt wurden, ließ der die Arbeiten leitende Postbeamte das angckommcnc Material von dem erst seit kurzer Zeit hier etablierten polnischen Spediteur von der Bahn holen, obgleich es in Schroda seit langer Zeit zwei deutsche Spediteure giebt, von denen der eine amtlicher Bahnspediteur ist. Des Pudels Kern ist, daß beide deutsche Spediteure Juden sind. Zu dem am 19. und 20. Juni hier stattgebabten Obererjatzgejchäft trafen am Abend des 18. mehrere Offiziere in Schroda ein, stiegen in Posners Hotel ab, dessen Pächter Jude ist, erhielten aber bald darauf die schriftliche Weisung, nach Hnttner's Hotel, dessen Besitzer Pole ist, zu kommen, da für sie dort Zimmer bestellt seien. Ob solche Vorkommnisse zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken beizutragen geeignet sind, mag dem allgemeinen Urtheil überlasten bleiben. Daß die hiesigen Juden gut deutsch gesinnt sind, hat sich abermals bei den letzten Stadtverordnetenwahlen im November erwiesen, indem sie Mann für Mann in der zweiten Abtheilung für den deutschen Kandidaten stimmten, welcher dadurch mit einer Stimme Mehrheit über den polnischen Kandidaten siegte." — Diese von mehreren Tages-