Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 455 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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Korrespondenzen 455 jüdischer Studierenden hat manches von seiner Opferfähigkeit zu erzählen; und mancher Stipendiat, der jetzt in und außerhalb Hamburgs zu Ansehen und Stellung gelangt ist, wird dankbar dessen gedenken, was Fels mit den Mitteln des Vereins geleistet, noch dankbarer vielleicht, in wie feiner, humaner Weise er die Gesuche behandelt und berücksichtigt hat. Auch hier wirkte er im Stillen. Aber ihm hier gerecht zu werden, kommt weniger dem Schreiber dieser Zeilen zu, als seinen Glaubensgenossen, deren Vertrauen ihn auch durch andere Ehrenämter auszeichnete." Das Dahinscheiden dieses trefflichen Mannes ist in weiten hiesigen Kreisen schmerzlich beklagt worden. rk Forbach i. Lothringen, 11. August. In der am 6. d. M. hier abgehaltenen Gemeinderathssihnng ist der jüdische Hotelbesitzer Marx-Haas mit 20 gegen 2 Stimmen zu dem Amte des Bürgermeisters vorgeschlagen worden. Stadthagen, 1. August. Die Deutsch-soziale Partei hat in einer hier kürzlich abgehaltenen Parteibesprechung beschlossen, an der Kandidatur des Grafen Reventlow für die nächstjährigen Reichstagswahlen festzuhalten. Graf Reventlow kandidiert übrigens auch außerdem im Wahlkreise Nordhausen. H Dresden, 10. August. Die hiesige antisemitische „Deutsche Wacht" sah sich gezwungen, nachstehende Bekanntmachung des Dresdener Königl. Amtsgerichts Abth.IIa zu veröffentlichen: „Der ehemalige Schriftleiter der „Deutschen Wacht", Friedrich Karl Hermann Hans Bertbold, ist wegen öffentlicher Beleidigung des Kaufmanns Adolf Aron Lucks in Dresden, begangen durch einen in Nr. 193 der „Deutschen Wacht" vom 20. August 1901 veröffentlichten Aufsatz mit der lieberschrift: „Noch etwas vom Hutbazar", vom hiesigen Schöffengericht zu Einhundert Mark Geldstrafe oder zwanzig Tagen Gefängniß rechtskräftig verurtheilt worden." Nach den Veröffentlichungen des königlich sächsischen statistischen Bureaus sind bei der letzten Volkszählung in Dresden 3059, in Leipzig 6314, in Chemnitz 1137, in Plauen 208, in Annaberg 116 und in Zittau 114 Juden ermittelt worden. Während bei der Volkszählung im Jahre 1895 in Dresden die Zahl der Juden sich gegen die Volkszählung von 1890 um 69 verringert hatte, ist bei der letzten Zählung eine Zunahme von 512 festgesteüt worden. Diese Zunahme in dem letzten Jahrzehnt steht aber noch bei Weitem nicht im Verhältniß zu der Zunahme der Gesammtbevölkerung, da das entsprechende Derhältniß 1890 0,95 % betrug, im Jahre 1895 auf 0,'75 % zurückging und im Jahre 1900 sich nur auf 0,77 % erhöht