Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Die Lebensführung im hohen Alter [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
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106 Hm deutschen Reich. fällt. S. 79 heißt es: „Noch fesselt mich lebhaftes Interesse an allen Werken der Kunst und an den wundervollen Fortschritten der Naturwissenschaften, sowie insbesondere an allen Schöpfungen der Humanität. "Allerdings berührt es mich in letzter Beziehung —- der weiteren und höheren Entwickelung der menschlichen Gesellschaft — oft besonders schmerzlich, daß auf dieser Erde nichts vollkommen ist und daß der lichte Sonnenschein des Fortschrittes und der Bildung der Menschheit oft durch eine schwarze Wolke verdüstert wird, welche an die traurigsten Erlebnisse mittelalterlicher Zeit erinnert. Der Rasjenkampf in seinen verschiedenen Formen ist ein wahrer Krebsschaden für die Entwickelung der Völker, eine schwarze Pest zur Ertötung aller wahrhaft menschlichen Gefühle, für die Erregung aller das Mark des Volkslebens zerwühlenden Leidenschaften, für die Vernichtung alles Rechtsbewußtseins des Volkes, ein finsteres Grab für Wabrbeit und Humanität. Ein Rückblick auf diese schwere Erkrankung des Zeitgeistes erfüllt jeden Menschenfreund mii tiefer Wehmuth, weicht aber glücklicherweise bald der Ueberzeugimg. daß solche Mißgeburten falscher Anschauungen alsbald zu Grunde gehen, weil sie eben einen hohen Grad innerer Fäulnis; in fich tragen." — Wenn nur diese optimistische Auffassung des sonst so zutreffend urlheilenden greisen Mannes zu Recht bestände! ]>r. .Jos. Lewy. I>r. Julius Moses. Das Handwerk unter den Inden. Tiefen Vortrag, den der verdiente Obmann unserer Eentral-Vereinö- Grnppe N. und NO. in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung des „Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" gehalten bat, ist von diesem Verein dem Druck übergeben worden in der Erwartung, daß den dringenden Mahnrufen des Verfassers ein williges Gehör geschenkt werde. Wir begnügen uns damit, einzelne dieser höchst dankenswerthen und höchst zeitgemäßen Mahnungen hier im Wortlaut wiederzugeben. I)r. Moses sagt: „Unsere Glaubensgenossen haben eine Ehrenpflicht, den jüdischen Handwerker zu unterstützen! Der jüdische Handwerker will keineswegs in den Fehler der Antisemiten verfallen und etwa von unseren Glaubensgenossen verlangen: Laßt nicht bei christlichen, sondern nur bei jüdischen Handwerkern arbeiten. Aber bei gleicher Arbeitsleistung, bei gleichem Werth und gleichem Preise haben wir Juden angesichts der heutigen judenfeindlichen Strömung eine moralische Pflicht, die jüdischen Handwerker nach Kräften zu unterstützen! Und diese Pflicht liegt in noch größerem Maße unseren jüdischen Institutionen, der Verwaltung der jüdischen Gemeinde