Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- G. L., Duisburg
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 399 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 399 G. 8., Barel. Der am 12. Mar von der Amtsanwaltschast $n Oldenburg erlassene Steckbrief gegen die am 24. August 1*81 zu Bant geborene Käthe Jan Heu enthält eine recht eigentümliche Personalbeschreibung. Durch die Hervorhebung des „jüdischen Aussehens" dürfte die Ergreifung der zufällig schwarzhaarigen Flüchtigen kaum erleichtert werden. Der Polizeibeamte, welcher diese Beschreibung geliefert hat, scheint irriger Weise anzunehmen, daß schwarze Haare nur bei Jüdinnen zu finden seien. M. (5., Dresden. In dem Briefkasten der „Deutsch-Sozialen Blätter" Liebermanns wurde am 22. Mai auf „mehrere Anfragen" geantwortet: „Man spricht davon, daß die Familie Dibelius, aus der ein Oberkonsistorialrath l)r. Dibelius in Dresden lebt, vor nicht allzu langer Zeit noch den israelitischen Glauben bekannte. Dieser Oberkonsistorialrath hat auf eine ^Anregung der jüdischen Gemeinde in Dresden von der Kanzel der Kreuzkirche herab, die antisemitische Bewegung als eine „politische Haßbewegung", als unchristlich verdammt. In dem „Offenen Brief an Dr. Dibelius von Mar Bewer" ist diese Bannrcde des Dresdner Geistlichen so gründlich abgefcrtigt worden, daß der Herr ganz stille geworden ist, obschon die Bewersche Broschüre schon in weiteste Kreise und zumal in sehr viele Pastorcnhäuser gelangt ist. Nun mehren sich die Stimmen, daß die Familie Dibelius aus Preuzlau stamme und früher anders geheißen habe. Vielleicht kann uns ein Leser daselbst Auskunft geben." — Schon in der nächsten Nummer sah sich die Redaktion der „Deutsch-Sozialen Blatter" veranlaßt, nachstehende Berichtigung zu bringen: „Preuzlau, Hamburg, Wittenberge, Dresden u. s. w. Wir nehmen dankend Kenntniß von der Thatsache, daß die Familie Dibelius nachweisbar bis zum Großvater des jetzigen 0. Dibelius (Dresden) christlich-deutsch gewesen ist." — Wir hätten den „Deutsch-Sozialen Blättern" noch mittheilen können, daß die thatsächlich aus Preuzlau stammende Familie Dibelius „nicht nur bis zum Großvater christlich-deutsch", sondern durchweg arischen Ursprungs ist. Der Vater des Herrn Oberkonsistorialraths, der vor etwa 60 Jahren in das Lehrerkollegium des Prenzlauer Gymnasiums eintrat, war Theologe und emsiger Förderer aller kirchlichen Vereine; der Bruder des Herrn Oberkonsisterialraths lebt als Geh. Regierungsrath in Groß-Lichterfelde. In der Nummer vom />. Juni quittiert das „Antisemitenblatt" mit Befriedigung über die Mittheilung, daß ein Sohn des Dresdner Oberkonsistorialrathes ein tüchtiger Aktiver des V. D. St. in Leipzig sei. — Vielleicht kann uns ein Leser aus Bielscaftruga, dem Geburtsorte des Herrn „Lieber-