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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 398

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
F. L., Breslau
Date
1902-06-01
Page
398 (sequence 2)
Language
German
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398 Im deutschen Reich. wurde vor wenigen Wochen durch das Hochwasser ein zugenahter Sack an's Ufer getrieben, in welchem sich die Leiche des seit November v. I. verschwundenen Arbeiters Neugebauer befand. An der Leiche fehlten Kopf und Beine. Jetzt hat der zwanzigjährige Schlosser Lorenz das Geständniß abgelegt, daß er und die Frau des Neu. gebauer gemeinsam den Neugebauer ermordet und zerstückelt und die Leicheutheile in drei Sacken verpackt in den Zacken geworfen haben. R. M., Posen. Die Notiz der Staatsbürgerin „Christen im Dienste der Juden", in welcher Entrüstung darüber kundgegeben wird, daß in Jaroslau sieben christliche Gemeinderäthe sich für die Wahl der jüdischen Lehrerin Lion zur Oberlehrerin an der weiblichen Fachschule entschieden, ist köstlich. Bekannte sich der antisemitische 'Abgeordnete und Redakteur der „Staatsbürger-Ztg." Ludwig Werner doch sogar dazu, einem Juden für Geld Berichte geliefert, also auch im Dienste eines Juden gestanden zu haben. — Dasselbe Blatt war so freundlich, der hessischen Regierung dafür Anerkennung zu zollen, daß dieselbe bereit ist, die Hälfte der Kosten für die Wiederherstellung des aus der besten Zeit der Gothik herrührenden alten Judenbades in Friedeberg zu decken. Der hessische Landtag sollte es aber nur zum Ausdruck bringen, daß jenes schöne Bauwerk nicht von einem jüdischen Meister herrühre und von den Juden nur verwerthet worden sei, deren Ritnalgesetze zu einer Reinlichkeit zwängen, die sich bei anderen Völkern von selbst verstehe. — Vielleicht beantragt nun der antisemitische Abgeordnete Köhler im hessischen Landtage, daß der „Staatsbürger-Ztg." auf Staatskosten ein Denkmal für „Reinlichkeit der Gesinnung" errichtet werde. E. G., Essen. Daß Müritz in Mecklenburg wiederum von uns unter den Erholungsorten genannt wurde, welche Juden zu meiden haben, beruht ans einem bedauerlichen Versehen. Müritz wurde zwar im Jahre 1897 in Antisemitenblättern als „judenreine Sommerfrische", genannt; nachdem uns aber im vorigen Jahre von angesehener Seite mitgctbeilt worden, daß Glaubensgenossen sich dort wohl gefühlt haben, war es unsere Absicht, Müritz in der betreffenden Liste zu streichen, was nur versehentlich unterblieben ist. G. L., Duisburg. Wir danken Ihnen für Ihren Hinweis. Die Notiz aus Münster in dem vorigen Heft S. 293 enthielt thatsächlich einen bedauerlichen Druckfehler. Statt Steinberg ist Weinberg gesetzt worden; da von dem verdienten „langjährigen ersten Vorsteher der Synagogengemeinde Münster" die Rede war, dürfte aber über die Person dessen, dem der Nachruf galt, jeder Zweifel ausgeschlossen fein.

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