Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- D. C., Frankfurt/Oder
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 397 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 397 die abgedroschenen antisemitischen Redensarten.. Beachtenswerther aber war das Verhalten des Ortsgeistlichen, von dem das „Göritzer Wochenblatt" berichtet: „Herr Prediger Nigmann sprach im Namen der Versammlung den Vortragenden seinen Dank aus und berührte noch einige Punkte, die sich im Wesentlichen mit den Ausführungen der Redner deckten. Er sagte, wenn auch der Feind an unserem Volkskörper nagt, so wird Gott uns erlösen und befreien. Es folgte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf die Redner." — Herr Pfarrer Krösell scheint danach in Säpzig einen Amtsbruder zu haben, der wie er Herrn Hans von Mosch unter die Arme greift und so wie jener die „Nager" nicht dort sucht, wo sie sind — im antisemitischen Lager! P. A., Magdeburg. Eine Erörterung der Frage des „fliegenden Gerichtsstandes der Presse" gehört nicht Zu unseren Aufgaben. Das dortige Antisemitenblatt „Sachsenschau" hat sich am •27. April mit dieser Angelegenheit beschäftigt und dabei eine Furcht vor unserem Verein bekundet, die uns geradezu belustigt hat. Herr Faßhauer schreibt über die betreffende Reichstagsverhandlung.- „Man setzte fest, daß die Redakteure nicht nur an ihrem Wohnorte, sondern auch am Wohnsitz des Klägers verklagt werden können. Diese Bestimmung wird besonders für antisemitische Redakteure viel lieberrascbungen bringen. Sobald der bei den meisten Behörden in großer Gunst stehende jüdische Denunziantenvercin einem theuren Volksgenoffen in Polackien ein antisemitisches Zeitungsblatt zuschickt, in welchem ein Hetzer eine ans Wahrbeit beruhende Notiz von dem auserwählten Kronensohn gebracht hat, erbebt letzterer gegen den verruchten Antisemiten in Polackien bei seinem Gericht ein fürchterliches Geschrei. Der Antisemit muß dann vom Rheinland nach Polackien fahren, wird freigesprochen'oder kommt wegen eines Formfehlers mit einer gelinden Geldstrafe davon und reist dann heim in dem Bewußtsein, um mehrere hundert Mark geschädigt zu fein. Dieser Paragraph würde zwar auch die Sozialdemokraten, in erster Linie aber die Antisemiten treffen. Dabei wurde die ganze Geschichte von den Regierungsvertretern als Bagatelle behandelt und von den Konservativen besonders auf die Beibehaltung dieses Danaergeschenkes gedrängt." — Die „Formfehler" machen Herrn Faßhauer offenbar besondere Pein; es ist auch geradezu schrecklich, wie sehr ihm durch uns die Ausübung seines sauberen Handwerks erschwert wird! F. L., Breslau. Wenn man den jüngst aus Hirschberg gemeldeten Fall in's Auge faßt, braucht man die Hoffnung auf Aufklärung in der Winter'jchen Mordfache gewiß nicht anfzugeben. Dort