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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 395

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
A. S., Berlin
Date
1902-06-01
Page
395 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 395 eigentlich recht viele Juden; sie mögen aber nur Erholung wo anders juchen als in der Nähe von ^Schierke", von „Sorge" und „Elend"! I. F., Berlin. Wir nehmen gern von Ihrer Mittheilung Kenntnis), daß Sie seit 1.5 Jahren mit Ihrer Familie alljährlich nach Saßnitz auf Rügen kommen und dort nichts von gehässiger Behandlung jüdischer Besucher gespürt haben. In ihrem werthell Schreiben Lheilen Sie dann weiter mit: „Veranlassung zu diesem Gerüchte gab ein Kaufmann, der eine Karte an dem Schaufenster aushing: „Juden' mochten fein Geschäftslokal nicht besuchen." Dieser Kaufmann war zeitweise nicht zurechnungsfähig und in einer Irren-Anstalt. Weiteren Anlaß zu diesem Gerüchte gaben auch schrnutzige Schmierereien in den Badezellen, die längst beseitigt sind. Die Wände wurden sämmtlich neu gestrichen. Der Wahrheit die Ehre!" — Tempora mutantur, auch antisemitische Anwandlungen! S. (5., Berlin. Obgleich dem Vernehmen nach das Sedlatzek'sche Blatt fast nur noch unter Ausschluß der Oessentlickkeit erscheinen soll bat uns doch die Notiz „Eine jüdische Spezialität" veranlaßt, uns nach der „Stellenvermietherin" Julie Strauß, München, Geiststraße 7 I in der bayerischen Hauptstadt zu erkundigen. Darauf wurde uns mitgetheilt: Julie Strauß ist zwar im Münchener Adreßbuch für 1902 als Inhaberin einer „Stellenvermiethung" ausgeführt, existiert aber hier nicht mehr und im Verzeichniß der Mitglieder der jüdischen Gemeinde hat sie nie existiert. Daß einige Antisemitenblätter sie bei Gelegenheit der gerichtlichen Verhandlung als Jüdin bezeichnet haben, entspricht nur den antisemitischen Gepflogenheiten, beweist aber nicht das (Geringste für die „Personalien" der bewußten Dame, die sonst niemand für eine Jüdin gehalten bat oder halten konnte. O. R., Berlin. Die „Ein verthierter Wüstling jüdischer Nation" überschriebcne Notiz des „Deutschen Volksblattes", das nur ein Ableger der „Staatobürgcr-Ztg." ist, stand selbstverständlich auch in letzterem Blatte mit genau denselben Worten. Hier wie dort war von dem in Heiligcnstadt zu G Monate verurtheilteu Subjekt gesagt: „Julius Reinach ist sein Name, von Beruf behauptet er Klempnergeselte zu sein". Aus dem Bericht des Kreisauzeigers, der „Heiligenstädter Ztg." war zu entnehmen, daß Reinach zu dieser Behauptung berechtigt war, nicht aber, daß er irgendwelche Beziehungen zum Judenthum hatte. Nach in Heiligenstadt eingezogenen Erkundigungen hat Reinach allerdings, um während des Passahfestes eine Extraverpflegung zu erlangen, sich als Jude ausgegeben, die jüdische Gemeinde hat aber den Antrag einfach abgelehnt, weil Reinach kein Jude ist. Das Zeugnih der Berliner Antisemitenblätter hat seine Behauptung

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