Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Dresden
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 383 (sequence 2)
- Language
- German
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- Plauen 1× ep/1045447
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llorespondenzen. 383 Die Vorstände der jüdischen Gemeinden zu Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen wollen nun dem Landtag eine Petition unterbreiten, in welcher gebeten wird, unter Abänderung des bestehenden Gesetzes den Gemeinden das Recht auf zwangsweise Einziehung der Steuerbeiträge zu ertheilen. co München, 1. Juni. Das antisemitische Blatt „Vaterland" schrieb dieser Tage: „Der jüdische Magistratsrath Lebrecht hat schleunigst den Sitzungssaal verlassen, als der Bürgermeister von Borscht sich anschickte, das Magistrats-Collegium zu ersuchen, zum Ausdruck des Dankes für das vom hl. Vater der Stadt München gemachte Geschenk sich von den Sitzen zu erheben. Es ist noch nicht lange her, da hat ein etwas Geringerer als der Papst, der Jude Rcichenberger, der Stadt ebenfalls ein Geschenk gemacht; wir haben aber nicht gehört, daß die zum Ehristenthume zählenden Mitglieder des Magistrats davongelaufen wären, als der Dank für das Judengeschenk abgestattet wurde, wohl aber, daß sich dieselben für diesen Juden von ihren Plätzen erheben haben. Was für ein gewaltiger Unterschied liegt nun in der Handlungsweise zwischen den Christen und Juden? Von jämmtlichen Christen getraute sich nicht Einer eine Gegcnstellung einzunebmen, wo es sich um einen Juden handelte, obgleich die Stadt München die Hauptstadt von Bayern und nicht von Palästina ist, während der eine Jude sich in einem gegentheiligen Falle nicht schellte, als Jude auszutreten und seiner jüdischen Ueberzeugung offen Ausdruck zu verleiben". — Auf diejenigen Münchner, welche nur das „Vaterland" lesen, muß eine solche Notiz selbstverständlich aufreizend wirken; aber die anderen Bürger der Stadt München, welche aus der „Altg. Ztg." oder in „Münchener Neuesten Nachrichten" ersehen baden, daß der Magistratsrath Lebrecht bei jener . Gelegenheit den Saal nicht verlassen hat, die ganze Geschichte also erfunden ist — müssen tiefen Ekel vor einer Agitation empfinden, die sich solcher Mittel bedient, um leichtgläubigen Menschen Haß gegen ihre andersgläubigen Mitbürger einzuimpfen. 0 Nürnberg, 2. Juni. Der Landesverein für die israelitischen Kultusgemeindcn Baverns hat am 19. v. Mts. in Gunzenhausen eine Ausschußsitzung abgehalten, bei der fast alle größeren Kultusgemeinden durch Delegierte vertreten waren. Den Vorsitz in der sechsstündigen Verhandlung führte Justizrath Ganzen- Häuser—Fürth, da der erste Vorsitzende, Geh. Hofrath Jojepbthal— Nürnberg durch Unwohlsein an der Theilnahme verhindert war. Nach