Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 379

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Wollstein
Date
1902-06-01
Page
379 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2316602-2316689-2316695--09724-2329889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Korrespondenzen. 379 Versammlung eröffnet hatte, wurden Rittmeister Pohlnow-Zakrzewo, Rittergutsbesitzer Lehfeldt-Lehselde und Bürgermeister Weihnacht. Unruhstadt in das Bureau gewählt. Hieraus gab der bekannte Führer der hiesigen Antisemiten, Malermeister Steinhorst, die Erklärung ab, daß er dem Wahlvereine nicht beitrcten könne, weil im Vorstande Juden säßen; kein nationalgcsinnter Mann könne einem solchen Vereine angehören. Daraus erwiderte Gras Schlieffen, daß er die Aeußerungen des Vorredners bedauere; hier gälte es die deutschen Parteien zusammenzufassen, um den Wahlkreis dem Deutschthum zu erhalten. Die Juden seien als deutsche Staatsbürger nicht davon auszuschließen und könnten unter Umständen sogar bei den Wahlen den Ausschlag geben. Den geschäftssührenden Ausschuß bilden: Gras Schlieffen-Wioöka als erster Vorsitzender, Rektor Jorke - Wollstein als Stellcrtreter, Ritterguts- . besitzer Lehfeldt- Sehfelde als Schriftführer und Kämmerer Wollter- Wollsteiu als Schatzmeister. Nachdem sich der Verein konstituiert hatte, erstattete der Reichstagsabg. v. Gerodorff seinen Nechenschaftobericht # Ponitz, *20. Juni. Kürzlich wurde die hiesige Bevölkerung durch die Nachricht in Aufregung versetzt, daß die bis jetzt vermißte Uhr des am 11. März 1900 ermordeten Ernst Winter zum Vorschein gekommen und dem Ersten Staatsanwalt Pr. Schweigger in Könitz übergeben worden sei. Der in der Mühlenstraße wohnende Auktionator Otto Kuß hatte im Februar d. Js. in Könitz von dem Schneidermeister Franz Machalewsti eine silberne Uhr gekauft, die er dieser Tage aus ihren Werth untersuchte. Dabei bemerkte er, daß aus dem Jnnendeckel der Uhr zwei Mal der Name „Ernst Winter" eingckratzt war. Kuß übergab dem Staatsanwalt Dr. Schweigger die Uhr, und nun wurde festgestellt, daß es nicht diejenige war, welche Ernst Winter in seinen letzten Lebenslagen getragen hat. Die jetzt gefundene Uhr trägt die Fabriknumrner 71 760, während die Uhr welche Ernst Winter zuletzt im Besitz hatte, die Fabriknummcr 143 087 und die Verkaufsnummer 13 002 trägt. In Folge des Austauchens der Uhr sind aber die Recherchen in der Mordsache von Neuem ausgenommen worden; cs wurde ermiltelt, daß Machalewski von Könitz nach Dortmund verzogen ist, und die Uhr seiner Jeit von einem Gasanstaltsarbeiter als Pfand erhalten hat. Den Antisemiten ist dabei offenbar unbehaglich zu Muthe. Die „Staatsbürger-Ztg." schreibt: „Wir können im Augenblick nicht beurtheilen, ob Vorstehendes zutrifft, zweifeln aber daran. Soviel steht aber fest, in Wirklichkeit hat diese ganze Geschichte mit dem Mord Ernst Winters garnichts zu thun. So lange die von uns

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.