Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 368 (sequence 3)
- Language
- German
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368 Zm deutschen Reich- Presse zu bringen, werden heute gleichwohl von einem Blatte an die Oeffcntlichkeit gebracht, das über die Doppelbestrafung des Studenten Woth vor Freude ganz aus dem Häuschen ist. Wird nun etwa auch in diesem Falle ein Strafverfahren wegen Verletzung des Urheberrechts zu erwarten sein? Denn da Treitschke erst im Jahre 1896 gestorben ist, so haben seine Erben und Rechtsnachfolger noch bis zum Jahre 1926 Anspruch auf den Schutz des „geistigen Eigenthums" ihres Erblassers. So führen sich die Vorkämpfer der akademischen Freiheit unter hermetischem Verschluß von selbst ad absurdum! Das ist das Belustigende an der Sache!" Nach dem von Pastor Bieliug erstatteten Jahresbericht der „Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden" meldeten sich im vergangenen Jahre 44 Personen zur Theilnahme au dem Taufunterricht, 9 wurden aus dem Unterricht fortgeschickt, weil es ihnen nicht Ernst war mit dem Christwerden, und 13 schieden aus, weil sie die „Schwierigkeit des Uebertritts unterschätzt hatten". Von den Verbleibenden wurden 10 Frauen und 15 Männer getauft. Unter der Ueberschrift „Der Werth der Judentaufen" bespricht das Hamburger antisemitische „Deutsche Blatt" einen Artikel der „Frankfurter Ztg." über den traurigen Mädchenhandel, dem auch weibliche Auswanderer jüdischen Glaubens vielfach zum Opfer fallen. Die „Frankfurter Ztg." harte dazu bemerkt: „Diese Tharsache veranlagte die Rabbiner von Berlin, Rom, Frankfurt a. M., Hamburg und Wien seit dem Jahre 1898 periodisch Warnungsschreiben an ihre Gemeinden zu erlassen, worin auf diesen Uebeistand aufmerksam gemacht und gebeten wird, alle des schmachvollen Handels verdächtige Personen zu boykottiren. Selbst nach Rußland, wo doch jüdischen Frauen der Zutritt verboten ist, ist der Import von Judenmädchen ungeheuer stark, da die Agenten einen Pastor in Hamburg gefunden haben, der ihre Opfer tauft." — Daran knüpft das Hamburger Antisemitenorgan die sehr berechtigte Frage: „Wer mag wohl dieser Pastor sein?" Es wäre recht daukenswerth, wenn die antis. Abgg. Schack und Raab sich bemühen würden, diesen Menschenfreund ausfindig zu machen! Die vom Deutsch.Israelitischen Gemeindebunde auf Kosten der hiesigen jüdischen Gemeinde errichtete provisorische Fürsorge-Erziehungsanstalt für jüdische Mädchen in Plötzensee bei Berlin ist am 2. Juni d. Js. eröffnet worden. Sie ist zunächst nur für Zöglinge aus der Berliner Gemeinde bestimmt. Jndeß erklärt sich der Gemeindebund bereit, auch Zöglinge aus solchen jüdischen Gemeinden Deutschlands anfznnehmen, die entweder in Ueberein-