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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 349

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
Date
1902-06-01
Page
349 (sequence 17)
Language
German
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Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 349 und die Einführungsbestimmungen der eingebrachten Gesetzesvorlagen, wozu ihn sein eindringender Verstand ebenso wie seine genaue Kenntnis) der RechLsgeschichte und der vormals üppig blühenden Particularrechte bestens befähigten. Als Vorsitzender mehrerer Ausschüsse und besonders des Ausschusses für Verfassungsbeschwerden hatte er Gelegenheit zum Hervortreten aus der ihm eigenen Zurückhaltung. Gunzenhäuser war kein Vielredner und kein Dauerredner, aber man bat beim Lesen seiner Reden das Gefühl und den Eindruck, daß die Versammlung seinen mehr durch Gediegenheit als durch Glanz ausgezeichneten Ausführungen jedesmal mit Jntereffe gelauscht haben muß. Gunzenhäuser besitzt nicht die gewöhnliche Beredsamkeit von volksthümlichen Brust- und Lungenkraftrednern, die mit dem Volldampf tönender Worte den Hörer betäuben und überwältigen, er drückt sich vielmehr gewählt und decent aus, fein stilisiert in Wortform und Satzbildung, philosophisch in der Begriffsbildung. so daß man einen akademischen Vortrag zu hören glaubt. Dabei verfügt er wie selten einer über die Kunst, mit liebenowürdigem Humor lächelnd die Wahrheit zu sagen und die feine Klinge des Spottes zu schwingen, ohne zu verwunden, ohne zu verletzen. Kein Wunder, daß einmal einer seiner Nachredner um die Nachsicht der Kammer bat, daß er nach einem so ausgezeichneten Redner wie Gunzenhäuser das Wort zu nehmen sich erlaube. Eine so milde, versöhnliche Natur Gunzenhäuser ist, so energisch ist er in der Abwehr persönlicher Angriffe, besonders wenn dieselben von confessionellen Gefühlen eingegeben erscheinen. Als 1882 der Bürgermeister eines kleinen Städtchens sich die Aeußerung leistete, er beneide die Stadt Fürth nicht, daß dort eine gewisse Klasse von Menschen dominiere, antwortete Gunzenhäuser, daß ihm der parlamentarische Ausdruck fehle, um feiner Indignation über diesen Angriff auf die durch Leistungen und Opfer freudigkeit rühmlichst bekannten Israeliten von Fürth Worte leihen zu können. Als 1884 der clericalc Abgeordnete Dr. Frank, der seither durch seine lichtvollen Schriften über das Schächten, über das Verhältniß der Kirche zu den Juden und gegen die Lüge des Ritualmordes den Beweis geliefert, daß er durch ernstes Studium zur Vorurtheilsfrcihcit sich durchgerungen, in hämischem Tone von Laster sprach, „über dessen Tod jetzt Israelin zwei Welten trauert", antwortete Gunzenbäuser, der zufällig das Referat hatte, daß die „Trauer um Laster bei jedem Deutschen, der überhaupt die Verdienste Lasker's anerkennt, eine allgemeine und nicht eine auf feine Glaubensgenossen beschränkte ist". Endlich darf es

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