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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 347

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
Date
1902-06-01
Page
347 (sequence 15)
Language
German
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Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 347 solcher: mir fällt nie ein, mich auf den Vorredner mit dem Ausdruck zu beziehen „mein jüdischer Herr Vorredner", worauf ihm aus dem Hause ein vielstimmiges Pfui entgegeugerufen wurde. Heule erwiderte mit der persönlichen Bemerkung: Ich bin seit vielen Jahren aus der ultramontanen Presse und auch aus der hier vertretenen Kaplanpresse gewöhnt, als Jude apostrophiert zu werden. Das aber kann ich Ihnen versichern, daß wenn ein Redner das hier im. Hause wagen würde, ihm auf die Gefahr eines Ordnungsrufes hin wieder wie heute ein einfaches wohlgemeintes Pfui entgegeutönen würde. — vr. v. Schauß sprach bei dieser Gelegenheit den Wunsch aus, es möchte dem Hause der Abgeordneten ein Abwehrmittel zur Verfügung stehen, um Zu verhindern, daß einem Mitgliede ungestraft seine Konfession vorgeworfen werden dürfe. Seine Confession, der er treu blieb, verhinderte es aber nicht, daß als Anerkennung für seine Verdienste dem 1)r. Heule die höchsten Ehren zu Thei! wurden. Er wurde zum Geh. Hofrath ernannt und, nachdem er bereits 1877 durch das Ritterkreuz I. Kl. des Verdienstordens vom h. Michael ausgezeichnet wurde, erhielt er 1882 gleich seinem protestantisch gewordenen Bruder, Regierungsdrrektor v. Heule, das Ritterkreuz des Verdienstordens der bayr. Krone mit dem persön-. licken Adelsstand. VI. JustizraLh Welfg. Gunzenhäuser. Um die Mitte der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts bemerkte man auf der Linken der bavr. Abgeordnetenkammer ein Trifolium von Israeliten: neben dem besonders in Fragen der hohen Politik voranstürmenden Frankenburger und dem durch seinen Sarkasmus herausfordernden l)r. Heule seit Herbst 1875) auch den durch seine Besonnenheit im Urthei! und Mänigung im Ausdrucke ausgezeichneten Gunzenhäuser, der sich selbst durch die Aeußerung charakterisiert: „Ein Entschluß, der im ersten Anprall, bei der ersten Besichtigung des Gegenstandes gefaßt und trotz aller erheblichen Bedenken aufrecht erhalten wird, ein solcher Entschluß macht mir immer Skrupel, der streift mir zu sehr an Eigensinn. Dagegen ein Entschluß, der gefaßt wird unter Aenderung der ursprünglichen Annahmen, ein solcher Entschluß giebt mir die Gewähr, daß er nach reiflicher Erwägung gefaßt ist." Gewiß, wir müssen unser Urtheil nach den Dingen richten und nicht umgekehrt die Dinge, die veränderlichen und wechselnden, nach unserem Urtheil richten wollen. Das Behanen auf einer Meinung,

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