Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Joh. Georg Dreydorff [Rezension]
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 312 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316694-2329606--09642-2329697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
312 Fm deutschen Reich. Der Verfasser, welcher ein im Dienste der Kirche ergrauter Pfarrer sein soll, scheut sich trotzdem nicht, biblischen Charakteren liebenswürdige Beinamen zu geben, die wahrscheinlich das Gewicht seiner Gründe ersetzen sollen, erlaubt sich auch, dieselben als Vorbilder einzelner von ihm angefeindetcr katholischer Kirchenfürsten darzustellen. Von den Propheten scheint der alte Theologe nur Elia und Elisa zu kennen; aber auch diese erwähnt er nur in der ihm eigenen Weise. Schließlich stellt er die Forderung, die biblische Geschichte im Lektionsplane der christlichen Schulen ganz Zu streichen. Damit wird er gewiß bei der Mehrheit der protestantischen Geistlichen kein Glück haben, die nicht Lust haben werden, den Ast zu zersägen, auf dem sie selbst sitzen. Wenn er versichert, nichts gegen die heutigen Juden zu haben, sondern nur gegen die christlichen Lehrer und Prediger, welche der christlichen Jugend „alte unwahre Judengeschichten" als geistige Nahrung bieten, so wird er von allen Juden, weil diese in dem Alten Testament ihr Palladium erkennen, trotzdem den Antisemiten zugezählt werden, die ihn auch je'st schon als ihren Gesinnungsgenossen anerkennen. Wie alle Antisemiten, legt auch Dreydorff das biblische Gesetz der Nächstenliebe (Lev. 19. 18.) so aus, daß „dem Juden der Nichtjude kein Nächster sei." So lehrt man aber die Jugend nicht Wahrheitsliebe, sondern Menschenverachtung; man raubt ihr die Verehrung der Frommen des alten Bundes mit die Freude an der von aufrichtigster Wahrheitsliebe durchwehten biblischen Geschichte und vermag ihr dafür keinen Ersatz zu Liefern, der ihr im späteren Leben Erbauung und seelische Erquickung zu verschaffen vermöchte. Das ist ein trauriges Stück Arbeit, bei dem der Jude nur mitleidsvoller Zuschauer ist. Unsere Antwort auf die Frage Quousque tandem? kann zu jeder Zeit nur sein: „Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen". A. L. Bei der Redaktion ist eingegangen: Der jüdische Student. Monatsschrift des Bundes Jüdischer Corporationen. Nr. 1. April 1902. Berlin. Redaktion und Verlag: Dr. Heinrich Loewe. Druck: Berthold Manaffe. Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts (Houston Stewart Chamberlain) besprochen von H. C. in Berlin. Dresden und Leipzig. E. Piersons Verlag. 1901. Preis 1 Mark. e2£ Für die Redaktion verantwortlich: Alphonse Levy. Berlin.