Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- L. S., Berlin
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 305 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 305 Mitnahme sich als ein Scherz herausstellte, eine kleine Pfeffermühte im WerLhe von 50 Pfennigen war. L. K. Breslau. Die Behauptung der „Deutschen Tageszeitung", daß bei der Aufführung des von Lothar Schmidt verfaßten Schwanks „Der Mensch in der Bestie" Juden durch Zischen und Pfeifen im Schiller-Theater das Fallen des Vorhanges erzwungen hatten, nur weil in dem Schwank ein jüdelnder Confectionär austrat, ist uns als unbegründet bezeichnet worden. Die Opposition soll vielmehr von Anhängern der Breslauer Dichterschule ausgegangen sein, weiche in dem Stück etwas mitgenommen wird. Die „Deutsche Tageszeitung" hätte, wenn sie von der Nichtigkeit ihrer Behauptung wirklich überzeugt gewesen wäre, mindestens die Pflicht gehabt, auch auf die Unparteilichkeit des Theater-Direktors hinzuweisen, der Jude ist, und trotzdem für einen „den Herren von der betriebsamen Rasse nicht gefallenden" Schwank seine Bühne zur Verfügung gestellt hatte. P. S. Stettin. Der Vortrag, den Herr vr. Sceliger im Positiven Parochiatverein der Zionsgemeiude über „Rasse und Kultur" kürzlich gehalten hat, gründet sich ans das Werk des Grafen Gobineau über die „Ungleichheit bcr Raffen" und bezweckt wiederum eine Verherrlichung des germanischen Elements in der arischen Raffe. Wer von falschen Voraussetzungen ausgeht, muß nothwendig zu falschen Schlüffen gelangen. Die irrthümlichcn Phrasen, mit welchen solche Geistesarbeit gewöhnlich auegeschmückt wird, werden über den Werth derselben Urtheilsfähige kaum auf die Dauer blenden. Wenn schon so widersinnige Behauptungen auftauchen, wie „das Judenthum hat nicht kulturschcpferisch gewirkt", lohnt es sich nicht, auf die Psalmen, die Propheten u. a. m. hinzuweisen. Wer dies verkennt, schädigt weder das Judenthum noch die hohe Kulturmissiou desselben, sondern die ganze zeitgenössische deutsche Kulturarbeit. Matthias Claudius anwortete auf die Frage, warum die Schmeichelei schade: „Je mehr man eine Katze streichelt, desto höher hält sie den Schwanz." Die Art, wie Chamberlaiu, Gobineau und ihre Nachbeter die germanische Kultur auf Kosten der geistigen Errungenschaften aller anderen Volksstämme streicheln, züchtet nur einen, dem eigentlichen kernfesten deutschen Wesen fremden, engherzigen „Chauvinismus", jenen ungesunden Hochmut!), bei dem für das deutsche Volk niemals etwas Gutes heraus, kommen kann und wird. O. C. Altona. Unsere Leitsätze für deutsche Juden haben erfreulicher Weise vielfachen Anklang gefunden und dort, wo sie massenhaft verbreitet wurden, sicher dazu beigetragen, manches Vorurtheil zu widerlegen. Nach wie vor stellen wir unseren Vertrauens-