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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 304

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
R. K. Berlin
Date
1902-05-01
Page
304 (sequence 2)
Language
German
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304 Im deutschen Reich. jetzt bekannt wird, dem kürzlich verstorbenen Prediger Wagner, der an der zum Gedächtniß der Kaiserin Augusta errichteten Gnadenkirche gewirkt hat» zu Theil werden lassen. Der Monarch hat dem Geistlichen damals nach schwerer Erkrankung aus Freude über seine Gencsung Chamberlain's Buch über das 19. Jahrhundert übersandt." — So lange diese Meldung nicht ojficiell oder officiös bestätigt wird» halten wir diese Mittheilung für unbegründet, weil Chamberlain's rastenfanatisches Buch kaum geeignet erscheint, einem strengreligiösen Manne besondere Befriedigung zu gewähren. Wenn die „Staatsbürger Zeitung" aber flunkern wollte, hätte sie eben so gut die Schenkung eines gebundenen Jahrganges der „Staatsbürger Zeitung" als „besondere Ehrung" bezeichnen können. P. L., Berlin. Wenn dem Händler am Weinbergsweg, der in seinen Reklame-Zetteln sagt, daß seine billigen Preise ebenso sehr das Jntereste des Publikums in Anspruch nehmen wie der Gumbinnener Prozeß, von dem Antisenntenblatt „jüd ische Reklamesucht" vorgcworfen wird, ist dies einfach lächerlich. Seine Reklame ist harmlos im Vergleich mit der, die unter den Gefchäftöantisemiten des Bruhnschen Heerbannes gang und gäbe ist. In der Burensache hat eine bekannte Clique auch manches Vorkommnis; zu ihrem — sagen wir — Parteivortheil ausgenutzt, das „lange wie ein Alp auf der Brust jedes fühlenden Menschen liegt." Daß der Name des Händlers, dem trotzdem „jüdische" Reklame zum Vorwurf gemacht wird, sich gar nicht im Verzeichniß der steuerfähigen jüdischen Gem'eindcmitglieder findet» der Mann also allem Anscheine nach gar kein Jude ist, ändert bei den Antisemiten nichts; sie machen ohne Weiteres jeden zum Juden» dem sie etwas anhängen zu können meinen. — Wäre die kürzlich in der Elisabethstr. 12 verhaftete „Mädchenhändlerin" Auguste Achilles nicht aus der Zeit her, wo sie als Kellnerin das Interesse der Lebewelt Berlins erregte, auch noch vielen Antisemiten als Nichtjüdin in recht lebhafter Erinnerung, dann hätte die „Staatsbürger-Zeitung" sicher aus Anlaß der Festnahme dieser gefährlichen Person einen fulminanten Artikel über den „jüdischen Mädchenhandel" losgelassen! L. S., Berlin. Die „Deutsche Tageszeitung" brachte am 27. Januar einen Bericht aus W., daß „der jüdische Religionslehrer und Kantor" L. wegen Diebstahls zu drei Tagen Gefäirgmß ver. urtheilt worden sei. Daß das Landgericht Stettin als Berufungsinstanz den betreffenden Kantor am 2. April freigesprochen hat, haben die Leser der „Deutschen Tageszeitung" bis heute ebensowenig erfahren, wie die Thatsache, daß das angebliche Diebstahlsobjekt, dessen

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