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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 303

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
E. R. Berlin
Date
1902-05-01
Page
303 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten Der Redaktion. 303 und christlichen Bevölkerung eine gewisse Benachtheiligung für die Inden. Aus dem Altersaufbau der Lebenden einer Großstadtbevölkerung läßt sich nimmermehr auf die Sterblichkeit schließen, schon weil dieser Altersaufbau hier ganz wesentlich durch Zuzugs Verhältnisse bedingt ist. Gerade bei den Juden findet auch in den höheren Altersklassen ein reichlicher Zuzug aus der Provinz in die Landescentrale statt: hier setzt man sich zur Ruhe, hier glaubt man mit den in der Provinz erzielten Ersparnissen leichter weitere und größere Erfolge erzielen zu können, hier für die Ausbildung und Unterbringung der Kinder ein ergiebigeres Feld zu finden, hier endlich weiß man sich geschützt vor antisemitischen Kränkungen. D. L. Berlin. Unter der Ueberschrist „Heren-Aberglaube und Heren-Prozesse, ein überwundener Standpunkt aus der Sittengeschichte aller Völker" veröffentlichte die „Staatsbürger-Ztg." am 1. Mai d. I. einen Artikel, in welchem das entsetzliche Verfahren in den ehemaligen Herenprozcssen geschildert und u. a. gesagt wurde: „Die Hauptsache in fast allen diesen Prozessen war die Folter, womit den armen, unschuldigen Opfern die widersinnigsten Zugeständnisse abgepreßt wurden. Wohl nur wenige, die einmal als Hexen angek'agt und vor dieses Forum gekommen waren, haben dasselbe unbehelligt verlassen." Das Antisemitenblatt hütet sich wohl darauf hinzuweisen, daß seine Ritualmord-Lcgendcn sich auch auf keine anderen Beweise stützen als auf solche mit der Folter erpreßten Geständnisse! Am Schlüsse des Artikels heißt es: „Die armen Weiber aber, die man der Hexerei beschuldigt hatte, waren nicht die Opfer ihres Glaubens, sie waren die Opfer der schrecklichsten menschlichen Verirrung. Wenden wir uns von diesen trüben Bildern weg zu dem freundlichen Lichte einer besseren Zeit; bat auch diese noch ihre vielen Schattenseiten, so hat sie doch die Mahnung des sterbenden Altmeisters Goethe beherzigt: „Mehr Licht!" — Möchte doch das so eifrig „verdunkelnde" Antisemitenblatt selbst diese Mahnung beherzigen. Genau dieselben Prozeduren wie an den Hexen sind von seinen Gesinnungsgenossen in früheren Jahrhunderten gegen Juden vorgenommen worden, welche Hostien gestohlen oder .Mitualmorde" begangen haben sollten. Ist das etwa nach der St. B. Z. auch ,,ein überwundener Standpunkt"? L. H. Berlin. Wir danken Ihnen für Ihre wohlgemeinte Anregung, halten es aber für weit wirksamer, wenn unsere Vereinsmitglieder in den Lokalen, in denen sie häufig verkehren, die Auslegung unserer Zeitschrift fordern. R. K. Berlin. Die „Staatsbürger Zeitung" schreibt allerdings Folgendes: „Eine besondere Ehrung hat der Kaiser, wie erst

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