Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Im deutschen Reich. für die gesammte leidende Menschheit gewirkt. Dann widmete Pastor em. Hoeck im Namen des Liberalen Wahlvereins dem hochverdienten Mitkämpfer, für die Ideen des Liberalismus einen ehrenden Nachruf, und bezeichnet den Dahingeschiedenen als eine vornehmfittliche Persönlichkeit, auf den das Wort paßte: „Siehe, ein echter Israelit, an dem kein Falsch war!" Die hiesige Bürgerschaft lehnte das Entlassungsgesuch des Präsidenten Siegmund Hinrichsen ab, genehmigte dagegen das Entlaffungsgcsuch des Zweiten Vizepräsidenten. Hinrichsen erklärte hierauf, daß er sein Entlassungsgesuch zurückziehe. Dr. jur. Max Cohen ist mit großer Mehrheit von den Notablen in die Bürgerschaft gewählt worden. Bekanntlich war der hiesige Schriftsteller Christian Timme wegen einer an den antisemitischen Pfarrer Krösell-Kloriu gerichteten beleidigenden Postkarte vom Schöffengericht zu einer kleinen Geldstrafe vernrtheilt worden. Von dem beleidigten Pfarrer wurde gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt, die derselbe aber schließlich zurückzuziehen für räthlich hielt. # Hof t. %Sa\)tTixf 3. Mai. Zum Beginn dieses Jahres ist den hiesigen Juden, die seit zehn Jahren in einem Svnagogenverein vereinigt waren, die Bildung einer israelitischen Kultusgemeinde gestattet worden. Noch immer hat aber Hof den zweifelhaften Vorzug, die einzige bayerische Stadt Zu sein, die in ihrem Schlachthause nicht schachten läßt. Indessen hat das Ministerium den Juden anheimgestellt, eine eigene Schächtstätte zu errichten. & Wien, 2. Mai. Der Gastwirth Michael Koblinger wurde in schwerer Krankheit von dem Arzte Dr. M. Steiner erfolgreich behandelt, provozierte aber, als er nach der Genesung die Rechnung des Arztes erhielt, in dessen Wohnung einen großen Skandal, drohte seinem Retter mit Mißhandlungen und schimpfte ihn „SaujudD Dr. Steiner erhob Beleidigungsklage, über welche die Verhandlung vor dem Bezirksgericht der Leopoldstadt stattfand. In derselben gab der Angeklagte zu, das Wort „Jude" gebraucht zu haben, da er üb er die Höhe der Rechnung in Aufregung gerathen sei. Richter: „Schickt sich das, den Arzt, der Sie gerettet hat, zu beschimpfen?" Angeklagter: „Der Herr Doktor hat mir das Leben gerettet und ich bin ihm ja dankbar dafür. Er weiß aber, daß ich aufgeregt bin und dafür nichts kann. Wie ich krank war, Hab' ich ihn ja auch im Delirium „Saujud" geheißen und Hab' ihn nachträglich um Verzeihung gebeten. Ich bin ja kein Antisemit, nur wenn ich nicht bei mir bin, sag' ich so was." Dr. Steiner: „Herr Richter, er ist